Frau Myhre, in Ihrem Buch schreiben Sie, dass Sie familiär vorbelastet sind, was Krebs betrifft.
MyhreMeine Mama hatte Krebs, das stimmt. Allerdings handelt es sich in meinem Fall nicht um eine erbliche Erkrankung. Mein Glück war, dass ich wegen der Erkrankung meiner Mutter in eine Forschungsgruppe gekommen bin. Dadurch hat man den Krebs bei mir rechtzeitig entdeckt.
Sie sind schon relativ früh wieder live aufgetreten. Wie fanden das die Ärzte?
MyhreDie meinten, das würde mir sogar gut tun. Und das war auch so. Ich erinnere mich noch genau, wie ich von einer Strahlenbehandlung zu den Skiweltmeisterschaften nach Oslo gefahren bin: 50 000 Menschen und minus 30 Grad. Als ich dort drei Minuten auftreten durfte, war das die beste Behandlung, die ich kriegen konnte.
Im Gaza-Gebiet existiert bis heute ein Krankenhaus, das dank Ihrer Initiative gebaut wurde.
MyhreDas haben die Mitglieder von meinen Fan-Clubs organisiert. 1964 hatte ich den größten Fan-Club in Norwegen mit mehreren Tausend Mitgliedern. So was kannte man bis dahin nicht bei uns. Ich wollte unbedingt etwas Positives bewegen. Weil ich ursprünglich Medizin studieren wollte und deswegen an dem Thema interessiert war, kam ich mit einem Arzt ins Gespräch. Der hat uns auf die Idee gebracht, Spenden für den Bau eines Krankenhauses in Gaza einzusammeln.
Wie sieht es jetzt aus?
Myhre Ich bin 2012 hingefahren und habe viele Menschen getroffen, die schon bei der Einweihung vor 46 Jahren dort gewesen sind. Das Krankenhaus kümmert sich hauptsächlich um Säuglinge. Die Ärzte haben mir gesagt, sie können ungefähr 7000 Kinder im Jahr retten – mit relativ einfachen Mitteln.
Ihrer Autobiografie ist zu entnehmen, wie ihre deutsche Karriere Ihnen das Medizinstudium mehr oder weniger verbaut hat.
MyhreJedenfalls bin ich in dem Jahr, in dem ich mit „Beiß nicht gleich in jeden Apfel“ in Baden-Baden die Schlagerfestspiele gewonnen habe, bei meiner Prüfung in Alt-Norwegisch durchgefallen. Damit konnte ich das Studium erst einmal abhaken. Daraufhin habe ich mit meinen Eltern vereinbart, eine Pause einzulegen, um die Möglichkeiten in Deutschland zu nutzen.
Hundertprozentig überzeugt waren Sie nicht.
MyhreDas waren eher die Leute von der Plattenfirma. Nachdem ich in Norwegen und auch in Schweden und Dänemark regelmäßig in den Hit-Listen vertreten war, kamen die von der deutschen Polydor, um mich zu besuchen. Ich wusste gar nicht, was die von mir wollten.
Und Sie konnten kein Deutsch. Wie hat man sich da verständigt?
MyhreDie ersten Texte hat man mir phonetisch übersetzt. Irgendwann meinte mein Produzent: „Ab sofort reden wir, wenn du hier bist, kein Englisch. Selbst wenn du etwas nicht weißt, versuche trotzdem auf Deutsch zu antworten.“ Vor allem während der ersten Zeit hatte ich oft totale Panik, wenn ich Interviews auf Deutsch geben musste. Manchmal war ich so aufgeregt, dass es dann selbst auf Norwegisch nicht mehr geklappt hat.
In einer Anekdote erzählen Sie in Ihrem Buch, wie Sie den Erfolg von „Er hat ein knallrotes Gummiboot“ beinahe verpasst hätten.
MyhreIch war auf Hochzeitsreise und gerade frisch verliebt. Meine Karriere hat mich zu dem Zeitpunkt nicht großartig interessiert. Wir ahnten ja nicht, dass sich der Song dermaßen hoch in den Hitlisten platzieren würde. Bei der Plattenfirma wusste daher keiner genau, wo ich war. Schließlich riefen sie mich im Hafen von Vancouver an: „Bist du wahnsinnig? Du bist Nummer eins! Komm so schnell wie möglich zurück nach Deutschland.“
Ihre Fernsehshows der 70er und 80er Jahre haben Sie zum Teil selbst mit finanziert.
MyhreWeil wir mehrstellige Millionenbeträge investieren mussten, habe ich regelmäßig mein Häuschen verpfändet. Doch das war es mir wert. Ich habe immer fest geglaubt an das, was wir gemacht haben.
Ein wichtiger Mensch in dem Zusammenhang war ihr zweiter Ehemann Michael Pfleghar, der sich 1991 das Leben nahm. In Ihrer Autobiografie sprechen Sie zum ersten Mal ausführlicher über ihn.
MyhreIch habe nie darüber geredet, weil das für mich nach wie vor ein heikler Punkt ist. Das war für mich eine wahnsinnige Situation, wo ich zunächst bloß ein Ziel kannte: Ich wollte unser gemeinsames Kind und den Rest meiner Familie schützen. Damals sind etliche Dinge geschrieben worden, die nicht stimmten. Zum Beispiel dass ich absichtlich zu spät zur Beerdigung gekommen wäre. Das war nicht meine Schuld. Mein Flugzeug hatte extreme Verspätung. Aber nicht nur mit mir, auch mit Michael ist die Presse in mancherlei Hinsicht unfair umgegangen.
