Herr Schumann, kürzlich haben Wissenschaftler vor sogenannten „Studiendrogen“ gewarnt. Warum greifen Studierende zu leistungsfördernden Medikamenten?
Wilfried SchumannViele junge Menschen sind heute extrem ehrgeizig oder fühlen sich massiv unter Leistungsdruck und leiden unter Konzentrationsstörungen, Lernblockaden und Prüfungsängsten. Vom sogenannten „Hirndoping“, also der Einnahme bestimmter Medikamente oder Drogen, versprechen sie sich eine Steigerung ihrer geistigen Leistungsfähigkeit.
Was bewirkt ein solches Hirndoping?
SchumannDie Mittel, die eingenommen werden, sollen entweder beruhigen, stimulieren oder die Konzentrationsfähigkeit erhöhen. Ob man hierdurch wirklich gezielt sein Leistungsvermögen verbessern kann, ist umstritten. Möglicherweise spielen auch Placebo-Effekte eine Rolle.
Ist Ihnen der Konsum solcher Mittel von Studierenden der Uni Oldenburg bekannt?
SchumannIn Einzelfällen berichten Studierende uns davon, dass sie Hirndoping betreiben, aber hier dürfte die Dunkelziffer hoch sein. Nach repräsentativen Umfragen können sich 17 Prozent der Studierenden in Deutschland durchaus vorstellen, leistungssteigernde Mittel anzuwenden, etwa fünf Prozent geben an, dass sie dies schon einmal realisiert haben.
Was ist die Alternative zum Gehirndoping?
SchumannDamit unser Gehirn gut und kreativ arbeiten kann, darf es nicht im Panikmodus agieren, sondern benötigt eine möglichst entspannte Situation. Deshalb arbeiten wir in der psychologischen Beratung mit unseren Studierenden daran, Stressfaktoren in ihrem Lernalltag weitgehend zu reduzieren. Im Hinblick auf Prüfungen unterstützen wir sie darin, innere Haltungen zu entwickeln, mit denen sie diese Herausforderung angstfreier und zuversichtlicher angehen können. Wer für die Funktionsfähigkeit seines Gehirns wirklich etwas Gutes tun möchte, sollte verinnerlichen, dass Prüfungen keine lebensgefährlichen Situationen sind und dass es Wichtigeres gibt im Leben.
Wilfried Schumann (56) ist Leiter der Psychosozialen Beratungsstelle der Universität und des Studentenwerks Oldenburg. Im Interview spricht er über die Wirkung leistungsfördernder Medikamente, zu denen einige Studierende greifen.
