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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Homosexualität als Sünde darzustellen, ist verletzend

21.02.2015
Frage: Kanzlerin Angela Merkel ist am Sonnabend zur Audienz im Vatikan: Was gibt es mit Papst Franziskus zu besprechen?
Koch: Es wird sicherlich vor allem um die Frage des Friedens gehen, um das Miteinander der Religionen, der Werte und Weltanschauungen. Politik und Kirche können gemeinsam einen Beitrag leisten, dass das Verständnis füreinander wächst und Gewaltbereitschaft abgebaut wird.
Frage: Angela Merkel wäre als Katholikin nicht zur Eucharistie zugelassen, weil ihre erste Ehe geschieden worden ist. Sollte am Tisch des Herrn nicht jeder willkommen sein?
Koch: Wir schließen Geschiedene nicht aus der Kirche aus und wollen sie auch nicht bestrafen. Aber uns ist ein besonderes Verständnis der Ehe als Sakrament anvertraut. Leider müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass sich immer mehr Ehepaare scheiden lassen – nicht wenige aus nachvollziehbaren Gründen.
Frage: Ist es das richtige Signal, sie nicht mehr zur Eucharistie zuzulassen?
Koch: Die Frage ist, ob wir Gläubige, die geschieden und wiederverheiratet sind und über eine tiefe Frömmigkeit verfügen, unter bestimmten Bedingungen zur Eucharistie zulassen können. Das könnte zum Beispiel nach einem langen Gespräch mit dem Beichtvater erfolgen. Über solche Wege sollten wir nachdenken.
Frage: Bei einer Fragebogenaktion kam heraus, wie sehr die Vorstellungen der Gläubigen zu Ehe und Familie und kirchliche Positionen auseinander klaffen. Wird die Kirche ihr Familienbild anpassen?
Koch: Mich hat das Meinungsbild der Gläubigen nicht überrascht. Wer tagtäglich in der Seelsorge unterwegs ist, weiß genau, was die Menschen denken. Mich erschreckt manchmal, welche abwegigen Vorstellungen es vom kirchlichen Sexualitätsverständnis gibt.
Frage: Stichwort Homosexualität: Hält die Kirche gleichgeschlechtliche Partnerschaften für Leben in Sünde?
Koch: Homosexualität als Sünde darzustellen, ist verletzend. Die Kirche braucht eine andere Sprache, wenn es um Homosexuelle geht. Wichtig ist vor allem ein gutes Miteinander, vor Ort in den Pfarreien. Vieles lässt sich nicht über Thesen in Zeitungen lösen, sondern im Gespräch und Austausch. Ich kenne homosexuelle Paare, die Werte wie Verlässlichkeit und Verbindlichkeit in vorbildlicher Weise leben.
Rasmus Buchsteiner Korrespondentenbüro Berlin
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