Als „Tatort“-Kommissarin haben Sie Oldenburg und Norddeutschland schon kennengelernt. Was gefällt Ihnen hier?

Schmidt-SchallerIn Oldenburg waren wir leider nur sehr kurz. Ich habe so gut wie nichts davon mitbekommen, außer den schönen Park am Schloss. Und dann hatte ich per Zufall einen Tag frei und habe ein Atelier gefunden, wo man frei Malen konnte. So habe ich in einem Bündel von acht oder zehn Frauen mitgemalt. Drei Stunden haben ich in dieser offenen Gruppe gesessen­. Es war wirklich sehr nett.

Ist Malen etwas, was Sie gern in Ihrer Freizeit tun?

Schmidt-SchallerIch wünschte, ich würde es mehr machen. Ich liebe es sehr und kann mich darin verlieren. Wenn ich male, kann ich alles um mich herum vergessen. Es ist beflügelnd. Ich bin nach dem Malen sehr erschöpft und zufrieden. Aber einen eigenen Stil habe ich nicht – ich bin da noch suchend.

Haben Sie auch Makel am Nordwesten festgestellt?

Schmidt-Schaller (überlegt lang) Nö. Der einzige Nachteil ist, dass das Meer so wenig da ist. Das Watt finde ich wirklich doof. Ich geh’ nicht gern im Watt spazieren.

Sie können Sächseln und Berlinern. Wie sieht es mit Plattdeutsch aus?

Schmidt-SchallerIch glaube, da würden mir mehrere Leute den Hals umdrehen, wenn ich plötzlich auch noch Plattdeutsch sprechen würde. Da sehe ich schon Wotan (Wilke Möhring), wie er fragt: „Was hast du gesagt?“ Das richtige Platt ist ja auch eine richtige Herausforderung. Mit den anderen­ Dialekten bin ich aufgewachsen. Für eine Rolle habe ich mir mal Schwäbisch antrainiert – das war echt hart.

Sie haben in „Unknown­ Identity“ 2011 bereits­ Hollywood-Luft geschnuppert. Gibt es Ambitionen das weiter auszubauen?

Schmidt-SchallerIch weiß gar nicht, was dieser­ Hollywood-Hype soll. Denn wenn man sich anschaut, wie viel Gutes bei dieser Masse rauskommt­, ist das schon wenig. Dagegen haben wir einfach ein tolles europäisches Kino – da bleib ich gern in Europa.

Ihr Partner Thomas Fränzel hat den gleichen Beruf wie Sie. Auch Ihre Eltern sind Schauspieler. Ist das Fluch oder Segen?

Schmidt-SchallerDa ich es nicht anders kenne, würde ich sagen, entspannter Segen. Weil alle auch wissen, was ich mache und mich verstehen. Man muss nicht um Rücksicht bitten. Außerdem geben sie mir gutes Feedback. Bis zu meinem 18. Lebensjahr wollte ich nicht Schauspielerin werden­. Das hat sich in meinem­ Austauschjahr in Amerika geändert. Dort hatte ich das Fach Darstellendes Spiel. Das war die Zündung. Seitdem­ ist Schauspielerei mein Spielplatz, auf den ich immer wieder zurück darf.

In Ihrem neuen Film „Die kalte Wahrheit“ spielen Sie eine Ärztin, die am frühen Morgen mitten im Nirgendwo einen betrunkenen Jugend­lichen überfährt. Ihre Figur setzt danach alles daran, herauszufinden, warum der Junge dort war. Eine Reaktion, die Sie nachvollziehen können?

Schmidt-SchallerBedingt. Ich kann mir vorstellen, dass man in einem Schockzustand – in dem sie sich ja auch befindet­ – entweder aktiv wird oder man erstarrt. Und wenn der Schock einen aktiv werden lässt, kann ich mir vorstellen, dass es diese Ausmaße annimmt, wie es bei ihr ist. Das kann ich schon nachvollziehen.

Was ging Ihnen durch den Kopf als Sie gelesen haben, dass die Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht?

Schmidt-SchallerIch war entgeistert. Das Ende hätte ich nicht erwartet, und da eine wahre Begebenheit zugrunde liegt, war ich richtig entsetzt. Es hat mich auch lange beschäftigt.

Als Ihre Figur zweifelt, sucht Sie eine Pastorin auf. Haben Sie einmal in einer schwierigen Situation Hilfe im Glauben gesucht?

Schmidt-SchallerNein. Ich bin eben nicht gläubig aufgewachsen. Wenn mir Zweifel kommen, ist es eher so, dass ich einen erfahrenen Freund frage, oder jemanden, der die Situation anders beleuchten kann. Ich glaube, ich habe gelernt, die Suche, wenn man ein Problem hat, von einer anderen Seite anzugehen. Ich sage aber nicht, dass das besser oder schlechter ist.