Herr Bensberg, der Landkreis Ammerland ist einer der Landkreise in Niedersachsen mit der geringsten Kriminalitätsrate. Worauf führen Sie das zurück?
BensbergIch glaube, das hat mehrere Ursachen. Da ist zum einen die durchaus noch ländlich geprägte Struktur, die wir haben auch mit den guten Sozialgeflechten. Hier achtet – im positiven Sinne – der eine noch auf den anderen. Zum anderen haben wir eine sehr stabile Sozialstruktur bei einer hohen Erwerbstätigkeit und einer geringen Arbeitslosigkeit, die sicherlich dazu beitragen, dass das Bemühen, sich auf illegalem Wege materielle Vorteile zu verschaffen, nicht so groß ist wie woanders. Die Leute haben schlichtweg weniger Zeit, auf andere Gedanken zu kommen. Dadurch ist bei uns im Landkreis ein nicht so großes Konfliktpotenzial vorhanden. Ich glaube aber auch, dass es mit der sehr präsenten und engagierten Arbeit unserer Polizei zusammenhängt. Diese Präventionsarbeit schlägt sich offenbar erfolgreich nieder.
Abgesehen von der Polizeiarbeit: Was unternimmt der Landkreis denn selbst zur vorbeugenden Verbrechensbekämpfung?
BensbergWir sind natürlich Teil des Präventionsrates. Aber ich glaube auch, dass wir indirekt gute Prävention machen mit guter Jugend- und Sozialarbeit, indem wir bemüht sind, jungen Menschen auf vielfältige Art und Weise zu einem Schulabschluss zu verhelfen und versuchen, sie über unsere Ausbildungsinitiative in Ausbildungs- und Arbeitsverhältnisse zu bringen. Auch in dieser Altersgruppe haben wir eine sehr geringe Kriminalitätsrate. Wer arbeitet, kommt nicht auf dumme Gedanken, weil er Langeweile hat.
Jörg Bensberg ist seit dem 1. November 2001 Landrat des Landkreises Ammerland. Der 54-Jährige (parteilos) ist zudem unter anderem Vorsitzender der Metropolregion Bremen-Oldenburg im Nordwesten und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Weser-Ems der Landkreise und kreisfreien Städte.
