Herr Schmitt, der Titel Ihres mit Torsten Voller verfassten Ratgebers lautet „Ich bin total spontan, wenn man mir rechtzeitig Bescheid gibt“. Münzen wir das mal auf die Wirtschaft. Spontan, das geht im Betrieb, der auf Effizienz getrimmt ist, doch gar nicht.

SchmittDoch, durchaus! Voller und ich haben dafür den Begriff der Navituition geschaffen, der eine Kombination aus sicherer Navigation und spontaner Einfühlung beschreibt. Das bietet sich auch für erfolgreiches Management an. Klar: Ist: In Unternehmen geht es auch weiterhin nicht ohne Pläne. Aber man sollte sich eben auch auf seine Intuition verlassen – und bereit sein, spontan und kreativ vom Geplanten abzuweichen. Davon können auch die Kunden und letztlich der Betrieb selbst sehr profitieren.

Mit der Intuition, also der Einfühlung, ist das so eine Sache. Kann man das üben?

SchmittMan kann trainieren, dass man wach und aufmerksam ist, Situationen erkennt. Ein spielerisches Beispiel dafür: Sie stellen eine Frage, und meine Reaktion fängt mit dem letzten Buchstaben Ihrer Frage an. Damit kann man – etwa auch in Meetings – trainieren, um Umgang mit anderen im Kopf frisch und spontan zu sein. Und das wird man dann vielleicht auch bei anderen Gelegenheiten sein, bei unternehmerischen Entscheidungen etwa. Mit solchen kleinen Piksern kann man auf Dauer als Einzelner auch die Richtung großer Organisationen mitbestimmen.

Sie raten, im Prinzip stets erst einmal „Ja“ zu sagen.

SchmittSo ist es, denn das eröffnet neue Entfaltungsmöglichkeiten. Nein kann man später, nach einer Prüfung, immer noch sagen. Ein Ja baut erst einmal Brücken. Auch in deutschen Unternehmen wird letztlich von Bedenkenträgern viel zu häufig als erstes gleich mal „Nein“ gesagt. Diese innere Zensur blockiert dann vieles. Und so verpasst man Chancen, auch wirtschaftlich. Besser ist es, zu überlegen und Ideen weiter durchzuspinnen.

Reden wir noch über Fehler, ein weiteres Lieblingsthema von Ihnen. Manager hassen Fehler. Sie aber sagen, man soll sie zulassen.

SchmittAber sicher! Gemeint sind hier keine Rechenfehler, sondern neue Konzepte und Ereignisse beim Versuch ihrer Umsetzung. Unternehmen müssen eine Fehlerkultur entwickeln! In Praxis heißt das: Wenn ein Plan gemacht wird, gleich einplanen, dass Fehler passieren können – und dass man aus ihrer Auswertung Nutzen ziehen kann.

Mal im Ernst: Wenn Sie bei Ihren Vorträgen Fehler machen, dann ärgert Sie das doch, oder?

SchmitTEher selten. Ich weiß schon vorher: Irgendetwas wird schiefgehen. Ich habe regelrecht Lust darauf und bin gespannt, welche spontanen Lösungen sich ergeben werden. Angst vor Konsequenzen von Pannen würde das Gegenteil bedeuten. Es würde viel Spontanität und Kreativität blockieren – und damit, um auf den Betriebsalltag zurückzukommen, vielleicht Kunden ernsthaft verärgern. Über dieses Thema sollte man in deutschen Chefetagen viel mehr nachdenken! Und weniger unter den Teppich kehren.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)