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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Image als Ausbildungsbetrieb gezielt pflegen

26.06.2015
Frage: Herr Dr. Müller, der seit einigen Jahren spürbare Trend, dass immer weniger Jugendliche den Betrieben für eine Berufsausbildung zur Verfügung stehen, setzt der sich weiter fort?
Müller: Ja, damit müssen die Unternehmen rechnen, aus demografischen Gründen, aber auch etwa, weil von den einzelnen Jahrgängen ein zunehmender Anteil an die Hochschulen strebt statt direkt zur Ausbildung in die Betriebe. Bei uns wurden im laufenden Berichtsjahr 5384 Bewerberinnen und Bewerber registriert, die einen Ausbildungsplatz suchen – das sind 5,4 Prozent weniger als vor einem Jahr.
Frage: Viele Jugendliche streben ja auch vielleicht deshalb quasi automatisch ein Studium an, weil sie über die klassische duale Berufsausbildung wenig wissen, oder?
Müller: Auf diesem Gebiet hat sich vieles gebessert. So gibt es eine flächendeckend organisierte Berufsberatung der Arbeitsagenturen in den allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen und an den Gymnasien, hinzu kommen Elternabende und individuelle Beratung. Viele Jugendliche sind heute besser über Berufe und Ausbildungsbetriebe informiert als vor ein paar Jahren. Dazu tragen auch das Internet und der Austausch über die sozialen Medien bei. Einige überfordert die Informationsflut aber auch.
Frage: Wie hilft die Agentur im Einzelfall?
Müller: Man kann sich zu einem individuellen Beratungsgespräch hier in der Agentur anmelden. Das würde ich auch jedem Schulabgänger raten, der jetzt noch keinen Ausbildungsplatz hat. Unsere Berater kennen viele Betriebe persönlich. Zudem kann man sich das Angebot direkt anschauen, unter arbeitsagentur.de/jobboerse.
Frage: Was ist Jugendlichen eigentlich besonders wichtig, wenn es um einen Ausbildungsplatz geht?
Müller: Dass die Ausbildung gut ist. Dazu gehört ein qualifizierter Ausbilder als Begleiter, der fachlich fit ist und zugleich menschlich kompetent. Ganz wichtig sind auch Perspektiven für die Übernahme und die individuelle Förderung .
Frage: Wo sollten Betriebe, die den verschärften Wettbewerb um Nachwuchs spüren, ansetzen?
Müller: Bei den oben genannten Punkten – vor allem aber auch beim Aufbau und der Pflege eines guten Images als Ausbildungsbetrieb! Man sollte Gutes tun und dies dann auch kommunizieren, idealerweise sogar gemeinsam mit den eigenen Auszubildenden oder in speziellen Azubi-Projekten! Das geht über die verschiedensten Kanäle. Auch der Wettbewerb „Preis für Innovative Ausbildung“ PIA der NWZ, der gerade in eine neue Runde geht, ist eine hervorragende Möglichkeit, sich darzustellen. Das gilt gerade auch für die kleineren Betriebe.
Frage: Müssen die Betriebe nicht noch flexibler werden, wenn sie sich Nachwuchs sichern wollen?
Müller: Ja, das kann helfen. Denn der Trend zu einem „Bewerbermarkt“ setzt sich fort. Betriebe sollten sich für die Besetzung von Ausbildungsplätzen vermehrt Gruppen anschauen, die bisher leicht übersehen wurden, die aber großes Potenzial bieten. Dazu gehören zum Beispiel die etwas Älteren von – sagen wir – 25 bis 35 Jahren, oder die Studienaussteiger, mit denen übrigens ein Kooperationsprojekt mit Hochschulen und Kammern anläuft. Oder nehmen wir Jugendliche mit Migrationshintergrund, mit manchmal nicht so guten Noten aber aber starken persönlichen Eigenschaften wie praktischen Fähigkeiten und großer Treue zum Betrieb. Ausdrücklich ansprechen möchte ich die Menschen mit einem Handicap. Auch sie bieten oft gute persönliche Potenziale für Unternehmen. Generell haben wir als Arbeitsagentur Möglichkeiten, Jugendliche im Betrieb speziell zu fördern, damit sie durchhalten und am Ende auch die Ausbildung schaffen. Hierzu zählen die ausbildungsbegleitenden Hilfen (Förderung der Nachhilfe) und ein aktuelles Projekt, die „Assistierte Ausbildung“.
Frage: Jugendliche suchen auf den verschiedensten Wegen ihren Ausbildungsplatz. Ist die Arbeitsagentur da eigentlich noch wichtig?
Müller: Eindeutig ja! Etwa 70 Prozent der Ausbildungsverträge kommen mit unserer Hilfe zustande. Bei uns laufen die Angebote der regionalen Unternehmen zusammen, seit Beginn des Berichtsjahres am 1.Oktober sind das insgesamt 4614, was ein Minus von 2,1 Prozent bedeutet. Im Mai waren noch 2443 Ausbildungsstellen offen.
Das bedeutet eine große Auswahl. Im Markt ist viel Bewegung.
Rüdiger zu Klampen
Redaktionsleitung
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2040

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