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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

In NS-Zeit an Fürsorgegeldern von Patienten bereichert

13.04.2015
Frage: Herr Hartig, der Gedenkkreis Wehnen e.V., Bad Zwischenahn, und der Förderverein Internationales Fluchtmuseum e.V., Oldenburg, haben dem Oldenburger Medizinhistoriker Dr. Ingo Harms vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin an der Universität Heidelberg den Auftrag erteilt, zu untersuchen, wohin die Anteile staatlicher Fürsorgegelder geflossen sind, die der Staat Oldenburg durch die Hunger-Euthanasie in seinen Einrichtungen während der Jahre 1933 bis 1946 eingespart hat. Was ist der Anlass, und welche Erkenntnisse gibt es bisher?
Hartig: Dr. Harms führte bereits den Nachweis, dass Hunderte von Patientinnen und Patienten in der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen, dem Gertrudenheim Oldenburg und der Pflegeanstalt Kloster Blankenburg einer radikalen Kürzung ihrer Ernährung und Pflege zum Opfer gefallen sind. Die Menschen starben, weil der öffentlichen Fürsorge bedeutende Beträge entzogen wurden. Verantwortlich dafür war der Landesfürsorgeverband, damals eine Abteilung des Oldenburgischen Innenministeriums.
Frage: Was ist mit dem Geld geschehen?
HARTIG: Mit dem Geld wurden neben der NSDAP auch Infrastrukturmaßnahmen und Kulturbetriebe unterstützt. Unter anderem erhielten das Museumsdorf Cloppenburg und das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg erhebliche Zuwendungen. Auch dem Aufbau der kommunalen Energieversorgung flossen große Beträge zu. Im Sinne der Opfer soll Harms herausarbeiten, welche Einrichtungen auf welche Weise davon profitierten.
Frage: Geht es bei den Forschungen um weitere Aspekte?
HARTIG: Nicht nur an Pflegegeldern, sondern auch an der lohnkostenfreien Arbeit der Patienten in seinen Betrieben hat sich der Fürsorgeverband laut Harms bereichert. Die Gewinne wurden demnach in Immobilien und Energie investiert, so dass man in der Nachkriegszeit wirtschaftlich gut aufgestellt war, so Harms. Für die Forschung ist es ein Glücksfall, dass die Buchführung des Landesfürsorgeverbandes durch seinen Rechtsnachfolger, den Bezirksverband Oldenburg, überliefert wurde. Wir erhoffen uns, dass durch die Kooperation zwischen Gedenkkreis und Fluchtmuseum die Forschung auf diesem Gebiet weiter vorankommt.

Ulrich Hartigist Sprecher des Fördervereins Internationales Fluchtmuseum. Im Interview äußert sich der 65-Jährige zu einem Forschungsauftrag, bei dem es um den Missbrauch staatlicher Fürsorgegelder während der NS-Zeit geht.


Infos unter   www.gedenkkreis.de 
Lars Laue
Korrespondent
Redaktion Hannover
Tel:
0511/1612315

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