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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Intensive Pflege von Eitelkeiten

28.06.2013
Frage: 1988 und 1994 haben Sie am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb teilgenommen. Haben Sie eine gute Erinnerung daran?
Modick: Zumindest an die Tage in Österreich habe ich gute Erinnerungen. Klagenfurt ist eine wunderbare Stadt am Wörthersee. Da kann man es sich gut gehen lassen, da trifft sich die gesamte Branche wie auf einem großen Betriebsausflug der deutschsprachigen Literatur.
Frage: Und wie fanden Sie den Lesewettbewerb?
Modick: Ich habe als Autor bei beiden Auftritten nichts gewonnen, was eben so passieren kann. Aber ich habe schon damals gedacht: Wem nützt die Veranstaltung?
Frage: Und wem nützt sie?
Modick: Am meisten nützt die Veranstaltung letztlich doch der Jury, die sich profilieren will, und weniger den Autoren. Die Jury ist immer dabei, kann sich ausbreiten, ihre Eitelkeiten pflegen. Es sind eben nicht nur „Tage der Literatur“, sondern auch „Tage der Literaturkritik“. Wer dort als Kandidat antritt, muss sich dessen bewusst sein.
Frage: Aber Marcel Reich-Ranicki, der stets und gern für Aufsehen sorgte, war seit 1986 schon nicht mehr in Klagenfurt aktiv!
Modick: Ja, aber auch andere Jurymitglieder konnten eitel sein und sind es noch. Allerdings hat Reich-Ranicki 1977 die Veranstaltung quasi erfunden. Ohne ihn wäre sie nicht zu dem geworden, was sie heute ist. Der Mann kannte ja nie Hemmungen, sich in der Öffentlichkeit zu entfalten.
Frage: Was muss man als Autor mitbringen, um Klagenfurt gut zu überstehen?
Modick: Man muss Frustrationen ertragen können, ein dickes Fell haben und darf alles nicht so ernst nehmen. Dann kommt man gut zurecht, auch wenn man mal niedergemacht wird. Ich hatte Glück, ich wurde einigermaßen freundlich behandelt.
Frage: Ist der Bachmann-Wettbewerb eine literarische Castingshow?
Modick: Ja, die Autoren lesen vor und werden unmittelbar und mehr oder weniger spontan bewertet. Und natürlich hängt ganz viel davon ab, wie man abschneidet. Wer da verrissen wird, muss schon sehr gute Nerven haben, denn die Fernsehkamera hat einen immer im Blick.
Frage: Ist das dennoch eine gute Sache für junge Autoren?
Modick: Unbedingt! Die Namen der Autoren gehen durch die Presse, man wird bekannter. Das ist natürlich keine Garantie dafür, dass man dauerhaft im öffentlichen Gedächtnis bleibt und sich im Markt etabliert. Viele Autoren, die in Klagenfurt dabei waren, sind längst vergessen.
Frage: Für wie wichtig halten Sie eine Live-Übertragung im Fernsehen?
Modick: Ich meine, es müsste nicht im Fernsehen laufen, so wichtig ist es denn doch nicht. Wer ist denn schon in dem angeblich so bedeutenden Sieb des Literaturfestivals hängen geblieben? Mir fallen da nicht so viele Namen ein, etwa Sten Nadolny oder Wolfgang Hilbig. Ich verstehe auch nicht recht, wie man sich so etwas stundenlang im Fernsehen ansehen kann.
Frage: Würden Sie noch einmal als Autor in Klagenfurt antreten?
Modick: Nein. Ich muss mit 62 Jahren und nach 15 Romanen niemandem mehr etwas beweisen. Zudem: Bestimmte Formen von Literatur werden dort völlig falsch bewertet. Zum Beispiel ist alles, was humoristisch und satirisch ist, von vornherein chancenlos. Als ich 1988 aus meinem satirischen Roman „Weg war weg“ vorlas, sich das Publikum und auch die Jury köstlich amüsierte, sagte der Literaturkritiker und Juror Hellmuth Karasek sofort hinterher: „Jetzt mal Spaß beiseite, wir haben uns doch unter Niveau amüsiert!“ Das hat mich schon getroffen – und zeigte: Die haben gar kein Gespür für bestimmte Literatur. Man favorisiert dort traditionell sich bierernst gebende, die Innerlichkeit feiernde Bücher, also Werke mit starker Tendenz zur sogenannten Suhrkamp-Literatur.
Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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