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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Europa sollte Trump dankbar sein

22.08.2019
Frage: Herr Felbermayr, wie konnte es nach einer langen Zeit friedlichen Welthandels zu einem derart heftig ausgetragenen Konflikt kommen?
Felbermayr: Der freie Welthandel hat einen kräftigen Aufschwung in der Zeit von 1992 bis 2008 erfahren. In diesem Zeitfenster ist die Globalisierung gewaltig vorangeschritten, der Handel wuchs schneller als die Produktion, die Wertschöpfung weitete sich über Ländergrenzen hinweg rasant aus und die WTO, die den Freihandel begünstigt, wurde geschaffen. Mittlerweile ist die Welt umfassend globalisiert. Größere Schübe wird es so schnell nicht mehr geben.
Frage: Und wie bezeichnen Sie was wir derzeit sehen?
Felbermayr: Wir erleben jetzt die Nachwehen der Krise 2008/09, die in der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers in den USA gipfelte. Das Vertrauen in die Stabilität des Globalisierungsmodells wurde weltweit tief erschüttert. Zudem kam es bei der Lösung der Krise zu Verteilungskonflikten: So wurden z.B. Banken gerettet und Nichtbanken fühlten sich benachteiligt. Auch unter den gesellschaftlichen Gruppen – wie z.B. Arm und Reich – kam es zu Verteilungskämpfen. Ganze Gruppen der Gesellschaft sahen sich von der wirtschaftlichen Entwicklung abgehängt.
Frage: Diese Entwicklung wird zunächst fortschreiten?
Felbermayr: Ja. Sie beruhte ursprünglich auf der Illusion, dass die Globalisierung allen hilft – aber das tut sie nicht. Und die zweite Illusion, die ebenfalls geplatzt ist: Man hat nach dem Ende des Kalten Krieges 1990/92 angenommen, dass die Welt konvergieren würde, hin zu einem Modell, das marktwirtschaftlich und demokratisch sein würde und der Wettbewerb der Systeme – hier Marktwirtschaft dort Planwirtschaft – sei Vergangenheit.
Frage: Das trat beides nicht ein.
Felbermayr: Genau, heute wissen wir, dass sich nur die Gewichte in der Weltwirtschaft verschoben haben, etwa hin zu China, zu Russland und zur Türkei; also zu Ländern, die dem offenen marktwirtschaftlichen Modell nicht folgen. Beschleunigt wurde diese Entwicklung von der Wirtschaftskrise und der Lehman-Pleite 2008/09. Als Folge haben wir in Europa zehn Jahre unter der Eurokrise gelitten – auch die USA wurden getroffen, wenngleich auch weniger stark. Derweil ist z.B. China gut durch die Krise gekommen. Das stellt die liberale Wirtschaftsordnung plötzlich unter Generalverdacht – dass sie letztlich nicht liefert, was versprochen wurde. Zu diesen ökonomischen Betrachtungen kommen sicherheitspolitische Aspekte hinzu, die gerade im chinesisch-amerikanischen Konflikt die wirklich tragende Rolle spielen.
Frage: Trump schürt Handelskonflikte. Kann man bereits eine erste Zwischenbilanz der Trumpschen Handelsaktivitäten ziehen?
Felbermayr: Ja, und man muss einräumen, dass die Trumpschen Handelsaktivitäten durchaus Erfolg zeigen. Er hat das nordamerikanische Handelsabkommen mit Mexiko und Kanada neu verhandelt.  Aus ökonomischer Sicht ist das Abkommen natürlich nicht verbessert worden; im Gegenteil, es hat sich verschlechtert. Aber Trump hat sein Ziel erreicht, neu zu verhandeln. Durchgesetzt hat er sich auch gegen Korea und, so wie es aussieht, auch gegen Japan. Es ist durchaus denkbar, dass der Handelskonflikt mit China für die Amerikaner gar nicht so schädlich ausgehen wird.
Frage: Also ist die harte Gangart Trumps gegenüber China zu begrüßen?
Felbermayr: In der Tat, eigentlich sollten wir Europäer Trump dankbar sein, dass er diesen Handelskrieg gegen China führt. Sollte es ihm gelingen, dass China sich in einigen Jahren – zumindest teilweise – dem freien Markt unter amerikanischem Druck öffnet, dann würden die Europäer als Trittbrettfahrer, ebenfalls profitieren.
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