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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

In Beton gegossenes Unrecht

13.08.2019
Frage: Herr Jahn, am 13. August 1961 begann der Bau der Berliner Mauer. Wie haben Sie dieses historische Ereignis damals als Kind in der DDR erlebt?
Jahn: Als Kind war das für mich sehr bedeutsam, als ich zum ersten Mal in Berlin die Mauer gesehen habe. Da wurde mir deutlich, dass die Mauer mitten durch eine Stadt geht und man sich nicht mehr frei bewegen konnte. Das wollte nicht in meinen Kopf hinein, dass es innerhalb einer Stadt plötzlich Grenzen gab. Der Mauerbau war natürlich ein Schock und wurde in allen Familien der DDR heiß diskutiert.
Frage: Das historische Datum und die Mauer geraten immer mehr in Vergessenheit. Etliche Menschen haben bei dem Versuch, aus der DDR zu fliehen, ihr Leben verloren. Wie kann die Erinnerung an die Mauer und die Opfer wachgehalten werden?
Jahn: Wir sollten die Erinnerung an die Mauer und die Opfer auch bei den künftigen Generationen wachhalten. Die Mauer war kein Naturereignis, sondern von Menschen gemacht. Die Mauer war ein in Beton gegossenes Unrecht, das jeden Tag sichtbar war. Es war Ausdruck einer brutalen Diktatur. Die Ermordungen von unschuldigen Menschen, die die Freiheit suchten, waren unmenschliche Verbrechen. Wir müssen alles tun, um das Gedenken an die vielen Maueropfer wachzuhalten. Ihre Familien leiden heute noch darunter, dass einer aus ihrer Mitte herausgerissen wurde. Am Beispiel der Mauer können wir alle lernen, zu was Menschen fähig sind. Darin liegt die Chance, es nicht zu wiederholen. Der Blick in die Geschichte macht deutlich, dass Freiheit und Selbstbestimmung nicht selbstverständlich sind. Wir könnten jeden Tag feiern, dass diese Mauer nicht mehr steht und es die friedliche Revolution gegeben hat.
Frage: Wie hat das Leben hinter Mauer und Stacheldraht die Menschen in der DDR verändert?
Jahn: Bis 1961 gab es immer noch das Schlupfloch Berlin, wenn man der DDR und dem Sozialismus entfliehen wollte. Mit dem Mauerbau war das vorbei. Die Mauer hat dazu geführt, dass sich die Menschen in der DDR eingerichtet und sich arrangiert haben. Sie haben in dem Bewusstsein gelebt, sie können sowieso nichts ändern, und eine Flucht ist zu gefährlich. Die Mauer hat die meisten Menschen zur Anpassung getrieben. Das hat eine ganze Gesellschaft geprägt.
Frage: Im Westen hatte man sich mit der Mauer weitestgehend arrangiert…
Jahn: Im Westen wie auch in der DDR ist viel zu wenig protestiert worden gegen Mauer und Anwendung des Schießbefehls an der Mauer. Das waren massive Menschenrechtsverletzungen. Das hätte einen deutlicheren Protest verdient gehabt. 1989 hat sich dann gezeigt, dass auch das scheinbar Unmögliche möglich ist, wenn Menschen es tun. Es war eine friedliche Revolution, die diese Mauer zu Fall gebracht hat. Das stimmt auch freudig.
Frage: Die AfD wirbt aktuell im Wahlkampf im Osten mit dem Slogan „Wir sind das Volk“ – zynisch, dass sich Rechtspopulisten den zu Eigen machen?
Jahn: Die AfD steht nicht für Menschenrechte und Toleranz. Dass diese Partei jetzt versucht, das Ansinnen der friedlichen Revolution zu vereinnahmen, ist besonders perfide.
Frage: In Bremen wird ausgerechnet an diesem 13. August ein Rot-Rot-Grünes Bündnis mit der Linkspartei besiegelt. Es gibt Kritik am Linksbündnis und eine Debatte über die Linkspartei als SED-Erbin…
Jahn: Die Linkspartei ist aus der PDS hervorgegangen, die vorher die SED war. Die Verantwortung für die Aufarbeitung der Vergangenheit ist eindeutig. Die lässt manchmal zu wünschen übrig.
Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
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