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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Interesse an Aktenansicht bleibt hoch

10.07.2019
Frage: Herr Jahn, wie groß ist das Interesse an Einsicht in die Stasi-Unterlagen knapp 30 Jahre nach dem Fall der Mauer?
Jahn: Monatlich gehen immer noch rund 4000 Anträge ein, davon sind ein Drittel Wiederholungsanträge und zwei Drittel Erstanträge. Darunter sind viele Menschen, die jetzt in das Rentenalter kommen und ihr Leben ordnen wollen. Oft ist der Antrag auch das Ergebnis eines Gesprächs mit den Kindern oder Enkelkindern. Und es kommt vor, dass die Kinder die Akten der verstorbenen Eltern einsehen wollen.
Frage: Gibt es weitere Anfragen?
Jahn: Vom öffentlichen Dienst gibt es Anfragen zur Überprüfung von Beschäftigten. Dazu kommen Parlamentarier immer wieder auf uns zu. Zudem erhalten wir jährlich rund 1500 Anfragen von Forschern, Wissenschaftlern und Medien. Auch 30 Jahre nach dem Mauerfall ist also das Interesse an den Akten vorhanden.
Frage: 30 Jahre nach dem Mauerfall haben viele Menschen das Gefühl, die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen werden eher größer statt kleiner...
Jahn: So pauschal finde ich das nicht stimmig – zunächst: den „typischen Ostdeutschen“ gibt es sicher nicht. Der katholische Priester hat in der DDR andere Erfahrungen gemacht als der Stasi-Offizier. Zudem ist die Definition eines Ostdeutschen nicht immer klar: In manchen Forschungsprojekten zählt etwa Angela Merkel nicht als Ostdeutsche, weil sie in Hamburg geboren wurde. Ich selbst auch nicht, weil ich in den 80er Jahren aus der DDR ausreisen musste. Und jemand, der nach dem Ende der DDR nach Ostdeutschland kam, wird ebenfalls nicht dazu gezählt. Die unterschiedlichen Erfahrungen im geteilten Deutschland haben sicher Menschen unterschiedlich geprägt, aber die Label „ostdeutsch“ oder „westdeutsch“ bringen da keine Klärung.
Frage: Was könnte denn besser laufen?
Jahn: Ich denke, mehr Respekt vor den Biografien der Menschen wäre angebracht. Vielfach wird vergessen, dass es in der DDR eine friedliche Revolution gab und Menschen es dort geschafft haben, eine Diktatur zu überwinden. Dieser historische Moment kann auch heute ruhig stärker gewürdigt werden, denn daraus können Menschen Kraft und Mut schöpfen. Das heißt natürlich umgekehrt nicht, dass wir Menschen aus der Verantwortung entlassen dürfen, die DDR durch ihr Mitwirken erst möglich gemacht zu haben.
Frage: Ist es dann nicht ein Fehler, dass ein von Ihnen und dem Präsidenten des Bundesarchivs erarbeitetes Konzept vorsieht, die Stasi-Unterlagen in das Bundesarchiv zu überführen?
Jahn: Nein, auf keinen Fall. Genau damit diese Errungenschaft der friedlichen Revolution, der Aktenzugang, auch in Zukunft fest in der Gesellschaft verankert ist und gewürdigt werden kann, machen wir das Stasi-Unterlagen-Archiv zukunftsfähig und sichern so, dass die Akten offen bleiben.
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