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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Lernen mit Tablets neu gestalten

12.03.2019
Frage: Herr Steinemann, aktuell findet an der Universität Oldenburg die Tagung „Mobile Schule“ statt. Worum geht es dabei?
Steinemann: Bei der Tagung geht es um die Integration von mobilen Endgeräten in den Unterricht. Dabei hat der Begriff „Mobile Schule“ mehrere Bedeutungen – er steht für mobile Geräte, mobiles Lernen und mobiles Denken.
Frage: Was bedeutet „mobil“ in diesem Zusammenhang?
Steinemann: Es bedeutet, dass man nicht ortsgebunden ist – in jeglicher Hinsicht. Es geht um Flexibilität in Denken, Handeln und Lernen.
Frage: Was ändert sich durch die „Mobile Schule“ im Unterricht?
Steinemann: Für die Schüler bedeutet es, dass sie sich den Lernstoff in ihrer eigenen Geschwindigkeit zurechtlegen können. In einem vorgegebenen Rahmen können sie sogar die Inhalte selbst bestimmen – und sich dabei selbst fordern. So kann sich beispielsweise ein Schüler, der Stärken in Chemie hat, andere Inhalte aussuchen als schwächere Schüler. Somit hilft dieser Ansatz auch dabei, der Heterogenität gerecht zu werden und die Stärken der Schüler zu fördern. Jeder Schüler hat individuelle Stärken. Die gilt es, in jedem Fach zu finden, zu fördern und zu fordern.
Frage: Bei der Tagung geht es auch um das Einsetzen von Tablets im Unterricht. Welche Vorteile bietet diese Form der Schule?
Steinemann: Es geht nicht um den Mehrwert, sondern darum, neues Lernen zu gestalten. Wir sind an einer Zeitenwende angekommen und wollen von der „guten Gutenberg-Galaxis“ in die „Turung-Galaxis“. Früher hat man ein Buch genommen und sich Wissen angelesen. Heute ist die Art des Lernens eine völlig andere, weil das Wissen viel schneller bereitgestellt wird und jederzeit abrufbar ist.
Frage: Und dabei braucht es Tablets und Smartphones?
Steinemann: Ja, aber mobile Endgeräte sind nur eine Möglichkeit von vielen. Nur weil eine Schule 200 Tablets anschafft, wird sie dadurch nicht digital oder besser – das funktioniert nicht. Das Wichtigste ist es, dass die Schulen im Vorfeld erkennen, dass sie das Lernen ändern möchten und im Team arbeiten.
Frage: Wie gut umsetzbar ist das Konzept „digitale Schule“?
Steinemann: Natürlich macht es Sinn, dass jeder Schüler ein Gerät hat, um das Konzept umzusetzen. Doch auch die Schulen müssen sich überlegen, wie sie das Thema angehen. Dabei wird langsames Internet gerne als Ausrede genommen.
Frage: Aber das ist doch wirklich ein Problem?
Steinemann: Ja, das ist ein Problem. Als kurzfristige Notlösung ließen sich auch Apps nutzen, die ohne Internetzugang funktionieren und zum Beispiel ein digitales Versuchsprotokoll für einen Chemieversuch im Labor bereitstellen.
Frage: Aktuell schweben insgesamt fünf Milliarden Euro für den Digitalpakt im Raum. Wo sind Einsatzmöglichkeiten?
Steinemann: Vorweg ist zu sagen, dass sich digitale Endgeräte sich nur in begründeten Ausnahmesituationen anschaffen lassen. Mit dem Digitalpakt sollen Vernetzung oder Server gestärkt werden. Was nicht geht, ist schnelleres Internet.
Frage: Die Tagung richtet sich an Lehrkräfte und war wieder schnell ausgebucht. Können Sie die hohe Nachfrage erklären?
Steinemann: Zunächst einmal ist die Nachfrage seit Jahren groß. Dieses Mal hatten wir innerhalb von fünf Stunden 300 Anmeldungen. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen hängt die hohe Nachfrage damit zusammen, dass die Digitalisierung immer mehr unser gesellschaftliches Handeln bestimmt. Zum anderen spielt sicherlich auch der Digitalpakt eine Rolle.
Frage: Welche Lehrkräfte kommen denn zur Tagung?
Steinemann: Wir haben festgestellt, dass der Abstand zwischen den „Könnern“ und den „Anfängern“ immer größer wird. In diesem Jahr gibt es auch Pre-Workshops, um die Anfänger mitzunehmen. Dabei wurde zunächst von 60 Teilnehmern ausgegangen – bei 200 Anmeldungen mussten wir die Veranstaltung schließen. Insgesamt sollen alle abgeholt und auf dem Weg mitgenommen werden.
Frage: Wie sieht es denn während der Ausbildung der Lehrer aus – ist die „Mobile Schule“ Bestandteil des Studiums an der Uni?
Steinemann: Das ist von Universität zu Universität ganz individuell geregelt. Aber die Universität Oldenburg, beispielsweise mit Prof. Dr. Ira Diethelm ist in diesem Bereich führend.
Frage: Bei all der Beschäftigung mit der Technik – rücken die Inhalte nicht in den Hintergrund?
Steinemann: Nein, der Inhalt und das Thema stehen eindeutig im Vordergrund. Beispielsweise beim Thema Mauer können die Schüler zu den Plänen von Donald Trump recherchieren, die Berliner Mauer digital nachbauen oder auch mit dem „Digital Storytelling“ Geschichten schreiben. So können sie sich den Themen mit viel mehr Kreativität, Vielfalt und auf Basis ihrer Stärken nähern.
Frage: Wie steht Niedersachsen im Vergleich zu anderen Bundesländern da?
Steinemann: In Niedersachsen hat im Februar 2012 ein dreijähriges Projekt „Mobiles Lernen“ an Pilotschulen begonnen. Daraus ist mittlerweile ein festes Produkt geworden. Ungefähr 500 von rund 3000 Schulen in Niedersachsen haben mittlerweile Tablets im Unterricht – schuleigene und Geräte von Schülern. An diesen Schulen sind die Tablets systematisch verankert. Innerhalb Deutschlands sind wir in Niedersachsen gut.
Frage: Wie weit ist die „Mobile Schule“ schon und was könnte noch mehr getan werden?
Steinemann: Wir befinden uns mitten auf dem Weg. Alle Bereiche, die an der „Mobilen Schule“ mitarbeiten, sind auf einem guten Weg. Man muss alle Prozessbeteiligten weiter fördern. Natürlich könnte man die Schlagzahl erhöhen. Das einzige, das man nie machen sollte, ist zu sagen, dass man gut ist, und sich darauf ausruhen. Man sollte sich permanent weiterentwickeln und immer, wenn ein Ziel erreicht ist, an neue Ziele denken.
Ellen Kranz Redakteurin / Regionalredaktion
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