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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

„Wir hätten mehr Gas geben müssen“

02.02.2019
Frage: Herr Bürgermeister Seyfarth, wann und wie geht es mit dem geplanten Neubaugebiet auf dem früheren Gelände der Wesermarsch-Klinik weiter?
Carsten Seyfarth: Da müssen wir schnell eine Entscheidung treffen. Die Frage ist, wer es macht und wie es gemacht wird. Ich nehme wahr, dass in vielen Orten um uns herum Bauland erschlossen wird. Daher ist es wichtig, eine verlässliche Perspektive aufzuzeigen.
Frage: Das hätte auch schneller gehen können...
Carsten Seyfarth: Ja, diese Kritik ist berechtigt. Da hätten wir am Anfang mehr Gas geben müssen. Das hängt aber auch mit der Personalsituation in unserem Bauamt zusammen.
Frage: Sie mussten ja einige Abgänge verkraften. Konnten Sie die Lücken inzwischen schließen?
Carsten Seyfarth: Die füllen wir nach und nach auf. Es gibt durchaus Leute, die sich bei der Stadt Nordenham bewerben. Insgesamt liegen wir bei den Kündigungen im Schnitt nicht schlechter als in den Vorjahren.
Frage: Wie stellen Sie sich die Gestaltung des Klinik-Baugebiets vor: modernes Wohnen oder klassische Einfamilienhäuser?
Carsten Seyfarth: In unserer Region ist der Trend zum Einfamilienhaus ungebrochen. In dem Bereich sehe ich den Schwerpunkt. Das heißt aber nicht, dass moderne Wohnformen in Nordenham kein Thema sind. Aber zum jetzigen Zeitpunkt ist das auch angesichts der Entwicklungen im Umland nicht zwingend.
Frage: Vor einem Jahr hatten Sie gesagt, dass die Planung für die nördliche Fußgängerzone kurz vor dem Abschluss steht. Warum herrscht immer noch keine Klarheit?
Carsten Seyfarth: Es ist ja immer die Frage, ob das Glas halb leer oder halb voll ist. Wir haben die betreffenden Grundstücke durch die GNSG erworben. Wir können froh sein, dass wir über die GNSG solche Handlungsmöglichkeiten haben. Andere Städte müssen das dem freien Spiel der Kräfte überlassen. So konnten wir in der nördlichen Fußgängerzone ein Areal von rund 4000 Quadratmetern sichern. Das ist ein wichtiger Punkt. Im vergangenen Jahr haben wir dann ein sogenanntes Interessenbekundungsverfahren gestartet, um hier abschließende Klarheit zu gewinnen. Zwei Interessenten haben gesagt, sie könnten sich dort ein Projekt mit Gewerbe und Wohnen vorstellen. Einer hat leider sein Interesse zurückgezogen. Der andere hat noch bis zum 31. März dieses Jahres Zeit, uns genau mitzuteilen, welche Mieter er dort unterbringen will und wie das Ganze städtebaulich aussehen soll.
Frage: Was geschieht, wenn das Konzept bei Rat und Verwaltung nicht ankommt?
Carsten Seyfarth: Wenn uns das Konzept nicht überzeugt, ist das Thema Fachmarktzentrum mit einer Projektentwicklung durch einen dritten Investor erledigt.
Frage: Wie sieht der Plan B aus?
Carsten Seyfarth: Dann würde die GNSG dort etwas entwickeln.
Frage: Was halten Sie von dem umstrittenen Wohnbauprojekt „Hansings Gärten“?
Carsten Seyfarth: Erst einmal stelle ich fest, dass es Herrn Thieling als Investor gibt, der das Gelände, das Stand heute kein Bauland ist, vor einigen Jahren von der Bahn erworben hat. Es geht nicht darum, jemandem etwas madig zu machen. Investoren sind willkommen. Bei einem Projekt in dieser Größenordnung muss es aber schon erlaubt sein, Fragen im Sinne der Stadtentwicklung zu stellen. Da soll ja ein neues Quartier mit 130 Wohnungen in einem Gebiet entstehen, das bisher in allen Überlegungen der Stadt zur Wohnbebauung keine Rolle gespielt hat. Das ist schon eine besondere Dimension.
Frage: Wie geht es in der Sache weiter?
Carsten Seyfarth: Herr Thieling sieht einen Bedarf für die Wohnungen. Er wird auf uns zukommen und uns bitten, den Flächennutzungsplan zu ändern und einen Bebauungsplan aufzustellen. Wenn es soweit ist, werden wir uns mit dem Thema ausein­andersetzen und nach den entsprechenden Untersuchungen eine Entscheidung treffen. Das wird spannend.
Frage: Spannend ist auch die Frage, ob die Stadthalle Friedeburg noch eine Zukunft hat...
Carsten Seyfarth: Ich habe jedenfalls kein Interesse daran, dass die Stadthalle Friedeburg aufgegeben wird.
Frage: Was ist, wenn die von der Stadt in Auftrag gegebene Potenzialanalyse zu einer anderen Bewertung kommt?
Carsten Seyfarth: Es ist grundsätzlich wichtig zu wissen, welches Potenzial Nordenham für kulturelle Veranstaltungen in der Region hat. Das möchte ich beantwortet haben. Und dann möchte ich erfahren, wie wir unsere Kultureinrichtungen besser vermarkten können. Wir haben mit der Friedeburg ein Pfund in der Hand. Wir müssen aber auch wissen, wie wir es am besten nutzen können.
Frage: Wie bedeutend ist das Kulturangebot als Standortfaktor für Nordenham?
Carsten Seyfahrt: Für mich hat der Kulturbereich einen hohen Stellenwert. Das beste Argument für kulturelle Einrichtungen ist immer, dass sie gut besucht werden. Ich finde, wir haben zum Beispiel in der Friedeburg ein attraktives Theaterprogramm. Schade ist es dann, dass bei tollen Inszenierungen wie dem „Schimmelreiter“ der Saal nur zur Hälfte voll ist. Interessant ist, dass ich viele Leute, die Theaterangebote in der Friedeburg fordern, dort noch nie gesehen habe.
Frage: In Blexen kommt die Dorferneuerung nur schleppend voran. Jetzt sind auch noch die Pläne für die Neugestaltung der Ortsmitte gefährdet, weil das Haus Kirchenstraße 8 überraschend verkauft wurde. Wie wollen Sie das schlingernde Schiff wieder auf Kurs bringen?
Carsten Seyfarth: Die Dorferneuerung ist ein komplexes Verfahren. Für jede Maßnahme muss ein Förderbescheid bewilligt werden. Das dauert einfach. Festhalten will ich aber, dass wir mit der Neugestaltung des Platzes am Blexer Fähranleger begonnen haben und Nordenham damit eine neue Eintrittskarte erhalten wird. Im Hinblick auf die Ortsmitte werden wir sehen, ob wir von einem Vorkaufsrecht für das Gebäude Gebrauch machen können. Mit der Förderstelle müssen wir abstimmen, ob sich dies auf die Förderung auswirkt.
Frage: Was wünschen Sie sich für das Jahr 2019?
Carsten Seyfarth: Ich wünsche mir, dass unsere finanzielle Konsolidierung weiter voran geht und dass es weiterhin so viele Menschen gibt, die sich in dieser Stadt engagieren.
Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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