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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Interview Mit Entwicklungsminister: „Pandemie besiegen wir nur weltweit – oder gar nicht“

15.06.2020
Frage: Herr Müller, neue Corona-Ausbrüche in China. Wie lässt sich die Pandemie weltweit eindämmen?

Gerd Müller

ist seit 2013 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Der 64-jährige CSU-Politiker kommt aus Krumbach.

Müller: Die Corona-Krise dominiert aktuell alles. Uns erreichen alarmierende Nachrichten aus den Entwicklungs- und Schwellenländern. In der vergangenen Woche hatten wir mit 150 000 Neuinfektionen den weltweit höchsten Infektionsanstieg an einem Tag bisher. Wir sollten jetzt in Deutschland nicht glauben, wir hätten die Krise überstanden und seien damit durch. Die Corona-Pandemie besiegen wir nur weltweit – oder gar nicht. Jetzt müssen wir unserer Verantwortung in den Entwicklungs- und Schwellenländern wahrnehmen. Dort sind auch ganz massiv die Kinder betroffen. Der Lockdown in diesen Ländern hat dazu geführt, dass eine Milliarde Kinder nicht mehr zur Schule gehen kann. Ein Großteil von ihnen hat dort die einzige Mahlzeit am Tag bekommen. Millionen haben ihren Arbeitsplatz verloren. Sie sind ohne Einkommen und ohne soziale Absicherung. Die Corona-Pandemie ist so zu einer Hunger-Krise geworden. In Lateinamerika hängen weiße Fahnen aus den Fenstern. Das heißt: „Wir verhungern!“
Frage: Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery warnt, dass deutlich mehr für den Kampf gegen die Pandemie in Afrika getan werden muss. Droht von dort aus eine zweite Corona-Welle?
Müller: Das ist nicht auszuschließen. Die Infektionszahlen sind dort in einer Woche um 30 Prozent gestiegen. Wenn sich die Krise in Afrika und Lateinamerika so wie in Italien oder Spanien entwickelt, gibt es Hunderttausende Tote. Es gibt Hoffnung, dass es aufgrund des Klimas und des jungen Durchschnittsalters der Bevölkerung nicht so dramatisch wird. Aber klar ist, dass wir in einem viel größeren Ausmaß als bisher helfen müssen. Die Menschen in Afrika sagen, „wir haben keine Angst vor dem Virus, denn wir sterben vorher an Hunger“. Die Hungerkrise ist jetzt schon dramatisch. Transportwege sind wegen Corona zusammengebrochen, es fehlt an Lebensmitteln und Saatgut. Trotz Ausgangssperre müssen sich Millionen Menschen ihr täglich Brot auf dem Markt oder als Tagelöhner verdienen. Diese weltweite Pandemie hat so viele dramatische Folgekrisen. Die Europäische Union zeigt die notwendige Solidarität aber bisher nur nach innen, für sich selbst. Bis heute ist kein einziger Cent zusätzlich zur Krisenbekämpfung in die Entwicklungs- und Schwellenländer geflossen.
Frage: Wäre hier nicht die Weltgesundheitsorganisation WHO gefordert?
Müller: Die Weltgesundheitsorganisation WHO schafft das allein nicht. Es liegt auch in unserem europäischen Interesse, dass die Länder in unserer Nachbarschaft die Folgen der Pandemie bekämpfen können. Ansonsten werden wir mit Unruhen, Gewalt und Flucht konfrontiert. Die WHO ist hingegen gefordert, das Virus weiter einzudämmen. Wir brauchen weltweite Kooperation in der Forschung, der Entwicklung von Impfprogrammen, der Verteilung von Medikamenten. Der WHO wachsen hier ganz neue Aufgaben zu. Deswegen werden wir unsere Mittel für die WHO hierzu erhöhen.
Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
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