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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Interview mit Historiker Wolffsohn: „Hamas ist im Konflikt der verlängerte Arm des Iran“

15.05.2021
Aus Sicht des Historikers Michael Wolffsohn ist der aktuelle Konflikt nur scheinbar einer zwischen Israel und der Hamas. Alles dreht sich um den Iran – und die Wiederbelebung des Atomabkommens. Was Deutschland zur Beilegung des Konflikts beitragen könnten, erklärt er im NWZ-Interview.

Frage: Wir sehen Bilder von Raketenangriffen auf Israel aus dem Gaza-Streifen, von Vergeltungsschlägen der israelischen Armee. Was könnte der weiteren Eskalation Einhalt gebieten?

Wolffsohn: Eine vernünftige Iran-Strategie in erster Linie. Denn der Konflikt ist nur scheinbar einer zwischen Israel und der Hamas. Das Drehbuch sind aber die Verhandlungen zur Wiederbelebung des Atomabkommens mit Teheran. Hamas ist dabei im israelisch-palästinensischen Konflikt der verlängerte Arm des Iran. Dieser will zeigen, dass ohne ihn nichts im Nahen Osten geht. Er versucht, momentan über die Hamas den Preis für das Atomabkommen hochzutreiben. Damit stehen der Westen und die anderen Verhandlungspartner vor der Alternative, ob sie zugunsten eines kurzfristigen Waffenstillstands eine Friedhofsruhe, die keine wirkliche Ruhe ist, herstellen wollen oder eine echte Friedensruhe. Letztere bekommen sie aber nicht, wenn sie den Iran gewähren lassen. Der ist ein permanenter Destabilisierungsfaktor in der Region. Diese Rolle wird er weiter spielen, wenn er das Atomabkommen bekommt.

Frage: Besteht die Gefahr eines Flächenbrandes in Nahost?

Wolffsohn: Nein, das wird zwar immer wieder gesagt. Aber wer sollte denn ein Interesse haben, abgesehen vom Iran an der Seite der Palästinenser Krieg gegen Israel zu führen: Keiner.

Frage: Welche Rolle spielen in der aktuellen Lage die Schwierigkeiten der Regierungsbildung in Israel?

Wolffsohn: Für den Konflikt insgesamt zwischen der Hamas und Israel hat das kaum Auswirkungen. Innenpolitisch aber ist ein Grund, weshalb die Hamas jetzt zugeschlagen hat, die Verhinderung einer erstmaligen wirklichen politischen Integration der arabischen Bevölkerung in Israel in eine Regierung und damit in die Entscheidungsprozesse. Eine Anti-Netanjahu-Regierungskoalition unter Einschluss der Raam-Partei der islamischen Bewegung war praktisch unterschriftsreif. Jetzt aber hat diese Partei die Bereitschaft dazu angesichts der aktuellen Zuspitzung zurückgezogen. Sie kann eine Regierungsbeteiligung in der israelisch-arabischen Bevölkerung angesichts der aktuellen Vorgänge nicht mehr durchsetzen. Damit hat die Hamas ihr Ziel, eine friedliche Integration der Araber Israels zu verhindern, erst einmal erreicht.

Frage: Wie beurteilen sie die anti-jüdischen Proteste und Ausschreitungen, die es in Deutschland gegeben hat. Wächst angesichts des Nahost-Konflikts der Antisemitismus im Land oder ist der Konflikt nur Anlass, einen bestehenden Antisemitismus auszuleben?

Wolffsohn: Letzteres. Was wir erleben, sind Eruptionen wie bei einem Vulkan. Der ist tätig, und er bricht momentan wieder einmal aus. Ich sage seit Jahren, dass die Gefahr für uns Juden nicht nur von Rechtsextremisten ausgeht, sondern auch von Islamisten und ihren linken und schein-linken Anhängern. Das sind die großen Gefahrenquellen für Juden in Deutschland und Westeuropa.

Frage: Was kann, was sollte Deutschland tun, um zur Beilegung des Konflikts im Nahen Osten beizutragen?

Wolffsohn: Deutschland sollte sich in erster Linie überlegen, ob und wie man mit dem Iran verhandelt und umgeht. Wir erkennen den starken Willen der hiesigen Regierung und ihrer westlichen Partner, das Atomabkommen wiederzubeleben. Das aber hieße, die iranische Aggression und die Hamas-Teheran-Allianz zu stärken. Zudem hat der Bundestag sich zwar 2019 mit einer Resolution gegen die BDS-Bewegung, die zu Sanktionen gegen Israel aufruft, gewandt. Aber den Worten folgten keine Taten. Das wird unter anderem dadurch belegt, dass letztlich auch die Hamas weiter deutsche Gelder bekommt. Da reichen dann nicht schöne Worte, wie sie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gerade wieder geäußert hat, um sich an die Seite der Juden zu stellen. Deutschland kann sehr viel leisten, wie ich gerade in meinem Buch „Wir waren Glückskinder – trotz allem“, deutlich gemacht habe. Vermitteln aber kann Deutschland mit Sicherheit nicht.

Gernot Heller Korrespondentenbüro Berlin
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