• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

„Ohne Insekten blieben unsere Teller schnell leer“

14.03.2019
Frage: Viele Menschen finden Insekten störend, manche ekeln sich sogar. Warum sind Insekten so unbeliebt?
Sandra Bischoff: Insekten haben ihren schlechten Ruf aus den Zeiten, als sie überwiegend als Nahrungs- uns Ernteschädling wahrgenommen wurden. Wer schon einmal Insekten in seiner Müslischale, Wespen auf dem Pflaumenkuchen oder Mückenstiche hatte, kennt diese Abneigung die sich schlecht abstellen lässt – das ist ganz natürlich. Insekten treten gerne in Massen auf. So ein Heuschreckenschwarm macht Angst, die Bilder bleiben hängen. Auch Meldungen von Mückenmassen und Wespenplagen bringen oftmals mehr Beunruhigung als notwendig. Massenauftreten ist eine Überlebensstrategie der Insekten – für den Forstwirt mit Borkenkäferbefall in seinem Waldstück aber ein großes Problem. Erst langsam ändert sich die Wahrnehmung und die wichtigen Funktionen der Insekten werden den Menschen bewusst.
Sandra Bischoff
Frage: Was sind ihre wichtigsten Funktionen?
Sandra Bischoff: Ein Insekt ist nicht immer nur Schädling oder Zersetzer oder nur Bestäuber und Nützling. Sie stehen in Beziehung zu ihrer Umwelt. Borkenkäfer im Wald zersetzen Material und letztendlich wird daraus fruchtbarer Boden. Sie sind tagsüber Nahrungsgrundlage für Vögel, insbesondere während der Brutzeit, und nachts kann eine einzige Fledermaus über 1000 Mücken verputzen. Eine Florfliege frisst in ihrem Larvenstadium etwa 100 Blattläuse. Ganz wichtig ist die enorme Bestäubungsleistung durch Schmetterlinge, Wildbienen und Schwebfliegen. 80 Prozent der Wild-und Kulturpflanzen werden durch Insekten bestäubt. Würde dies ausfallen, blieben unsere Teller schnell leer!
Frage: Das Insektensterben greift um sich. Wie kommt es dazu?
Sandra Bischoff: Die Ursachen sind vielfältig. Sie reichen vom Einsatz von Pestiziden und dem Eintrag von Nähr- und Schadstoffen in Böden und Gewässer bis zu Lichtverschmutzung. Ein Faktor ist neben dem daraus resultierenden Landschafts- und Lebensraumverlust der Mangel an Blütenangeboten und Kleinstrukturen. Hier kann jeder im Kleinen tätig werden und dem Verlust im eigenen Garten entgegen wirken.
Frage: Welche Insekten in unserer Region sind besonders bedroht?
Sandra Bischoff: Der Rückgang ist ein bundesweites Phänomen. Da ich mich insbesondere mit Hautflüglern beschäftige, dazu gehören Wildbienen und „Wespen“, kann ich leider nur berichten, dass hier bei uns prozentual mehr Wildbienen auf der Roten Liste stehen als im Bundesdurchschnitt. Zeit zu handeln!
Frage: Haben Sie ein Lieblingsinsekt?
Sandra Bischoff: Da habe ich die Qual der Wahl aus über 33 000 Insektenarten! Das kann ich nur auf eine Insektenordnung beschränken und das sind ganz klar die Wildbienen. Unter Ihnen gibt es eine recht häufige Art, die Gartenwollbiene, sie habe ich als Desktopbild – schlafend auf einer Blüte.

Sandra Bischoff (51) ist Biologin und Insektenexpertin des Naturschutzbundes Nabu Oldenburger Land. Sie ist als Autorin und Beraterin tätig und begleitet das NWZ-Insektenjahr mit ihrem Fachwissen. Gemeinsam mit Silke Kreusel betreut Sie das Projekt „Insekten retten“ der Nabu-Stiftung.

Ulrich Schönborn stv. Chefredakteur / Chefredaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2004
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.