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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

„Dem Treiben der Stasi wurde ein Ende gesetzt“

15.01.2020
Frage: Vor 30 Jahren stürmten Tausende Bürger die Stasi-Zentrale in der Berliner Normannenstraße, um die dort gelagerten Akten zu bewahren. Sie waren damals als Journalist mit dabei. Wie erinnern Sie sich daran?
Jahn: Es war eine ganz besondere Stimmung. Es herrschte eine große Euphorie, aber auch eine gewisse Beklemmung, ein mulmiges Gefühl, auf dieses Gelände vorzudringen. Es war ein historisches Ereignis, dass sich Bürger die Freiheit nahmen, sich auf das Gelände zu wagen, von wo aus die Unterdrückung der Bevölkerung und der Opposition in der DDR organisiert worden war. Das war ein wichtiges Signal, dass sich die Zeiten endgültig verändert hatten. Man hat der Modrow-Regierung und dem Runden Tisch nicht vertraut, dass sie dafür sorgen, dass sich die Stasi auflöst. Die Besetzung der Stasi-Zentrale in Berlin war ein weiterer Höhepunkt, in einer Reihe an Besetzungen, die in den Bezirken im Dezember begonnen hatte. Das war ein sichtbarer Ausdruck der friedlichen Revolution. Dem Treiben der Stasi wurde ein Ende gesetzt. Schild und Schwert der Partei wurden zerbrochen.
Frage: Die Wut der Bürger entlud sich …
Jahn: Einzelne haben ihrem Ärger Luft gemacht. Am Ende hat sich das durchgesetzt, worum es ging. Man erkannte das an Graffitis, die dort gesprüht wurden wie: „Wo ist meine Akte?“. Die Menschen wollten verhindern, dass die Stasi weitere Akten vernichtet. Die Dokumente des Unrechts sollten bewahrt und den Menschen zugänglich gemacht werden. Das ist die entscheidende Botschaft vom 15. Januar 1990.
Frage: Es hieß, dass unter den Protestlern auch Stasi-Mitarbeiter gewesen seien…
Jahn: Diese Diskussion dürfen die Historiker führen. Dazu braucht es aber auch Quellen, um es zu belegen. Vorstellbar ist alles. Der 15. Januar war aber vor allem ein Meilenstein dafür, dass wir die Akten für die ganze Gesellschaft nutzen können. Wir haben in unserer Behörde in den vergangenen 30 Jahren mehr als sieben Millionen Anträge auf Akteneinsicht bearbeitet. Menschen konnten in ihre Akten schauen, ein Stück ihres gestohlenen Lebens zurückerobern. Im Öffentlichen Dienst konnte durch Überprüfungen auf Stasi-Tätigkeit Vertrauen geschaffen werden. Forschung und Medien konnten aufklären über die SED-Diktatur und das Wirken der Stasi. Erstmalig in der Welt wurden die Dienststellen einer Geheimpolizei von den Bürgerinnen und Bürgern besetzt, die Akten gesichert und der Gesellschaft später zugänglich gemacht. Das ist zum Vorbild geworden. Wir haben hier weltweit ein Zeichen gesetzt.
Frage: Es wurden mehr als 15 000 Säcke mit zerrissenen Akten sichergestellt. Wie viel ist verloren?
Jahn: Es sind insgesamt 111 Kilometer Akten aufgefunden worden. Die sind alle nun im Archiv. Dazu kamen die 15 000 Säcke. Das Material aus mehreren Hundert Säcken ist zusammengefügt worden. Wir bemühen uns weiter, sie zu vervollständigen.
Roland Jahn (66) ist Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR.
Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
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