• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

„Es war in erster Linie unprofessionell“

26.07.2017
Frage: Herr Botschafter, am Tempelberg in Jerusalem hat es tagelang Ausschreitungen mit Todesopfern gegeben. Wer trägt dafür die Verantwortung?

Sechs Jahre nach Deutschland entsendet

Shimon Stein ist ein israelischer Diplomat. Vom Januar 2001 bis September 2007 war er Botschafter Israels in der Bundesrepublik Deutschland. Der 69-Jährige ist verheiratet und hat einen Sohn und eine Tochter.

Stein: Die israelische Regierung hat hier bedauerlicherweise ein unglückliche Rolle gespielt und Fehler gemacht. Nach dem tödlichen Angriff von arabischen Israelis auf israelische Polizisten auf dem Tempelberg hat die Regierung im Schnellverfahren entschieden, Metalldetektoren aufzustellen, ohne mit Muslimen, Palästinensern und Jordanien darüber zu beraten. Es war abzusehen, dass sich die Muslime provoziert fühlen und die Gewalt eskaliert. Das hätte verhindert werden müssen.
Frage: War die Aufstellung der Metalldetektoren der Versuch, die Kontrolle über die drittheiligste Stätte der Muslime zu verstärken?
Stein: Es war in erster Linie unprofessionell. Es könnte als Provokation verstanden werden. Es gibt Kräfte in der Regierung von Benjamin Netanjahu, die den Status quo auf dem Tempelberg infrage stellen. Netanjahu lässt sich schnell erpressen. Die nun getroffene Entscheidung, die Detektoren abzubauen und in Absprache mit allen Beteiligten durch Kameras zu ersetzen, wird die Situation hoffentlich beruhigen. Zu dem Mittel hätte man aber schon in der vergangenen Woche greifen können! Die Eskalation wird nun hoffentlich klarmachen, was für ein explosiver Cocktail Jerusalem ist, wie dringend Schritte zur Beruhigung sind.
Frage: Jordanien, Saudi-Arabien und Ägypten sind die Mächte im Hintergrund des Konfliktes. Welche Rolle haben sie gespielt?
Stein: Diese drei Länder haben eine beruhigende Rolle gespielt und einen Beitrag zur Entschärfung geleistet. Das ist ein positives Signal der vergangenen Tage und macht Hoffnung. Hätten die drei Länder den Rufen nach einer Einschaltung der Arabischen Liga und des Weltsicherheitsrates nachgegeben, wäre es zu weit größeren Spannungen gekommen. Netanjahu sollte nun seinen Beitrag leisten, auf die sunnitischen Staaten zuzugehen. Durch diese gemäßigte Allianz, die gerade entsteht, können neue Chancen für Israel geschaffen werden.
Frage: Was müsste konkret geschehen, um den Friedensprozess in Gang zu bringen? Ist hier auch die EU stärker gefragt?
Stein: Die EU spielt im Nahost-Konflikt eine untergeordnete Rolle. Es kommt auf die USA an. Sie sollten jetzt eine Entscheidung treffen, wie es in der Region weitergehen kann. Israel muss Maßnahmen treffen, um den Siedlungsbau auf Eis zu legen. Die Palästinenser müssen die anti-israelische Aufhetzung stoppen und aufhören, den Konflikt über die Region hinauszutragen und zu internationalisieren. Beide Seiten können viel tun, um den Boden für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen zu bereiten.
Tobias Schmidt Korrespondentenbüro Berlin
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2018
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.