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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

So ticken Fußballer im Abstiegskampf

02.03.2018
Frage: Nach der Niederlage des Hamburger SV im Derby in Bremen schimpften Vorstandschef und Trainer heftig auf den Schiedsrichter, Spieler André Hahn sagte: „Wir sind der HSV, wir haben es immer geschafft.“ Wie würden Sie solch ein Verhalten psychologisch bezeichnen?
Martin Schweer: Das Verhalten zeigt den logischerweise massiven Druck, unter dem sich Funktionäre, Trainer und Spieler beim HSV derzeit befinden. Das Gegentor bot durchaus Anlass zur Diskussion, weshalb sich der Schiedsrichter als Sündenbock für die frustrierende Niederlage geradezu anbot. Die Aussage Hahns soll ja wohl implizieren, dass sich quasi die gesamte Welt gegen den Verein verschworen habe. In dieser drastischen Form sicherlich bemerkenswert, stellt sie eine psychologisch erklärbare „Trotzreaktion“ dar, die meines Erachtens nun nicht zu sehr auf die Goldwaage gelegt werden sollte.
Prof. Martin Schweer, Sportpsychologe, Uni Vechta BILD: UniVechta

Psychologe berät Spitzensportler

Prof. Dr. Martin Schweer ist Inhaber eines Lehrstuhls für Pädagogische Psychologie sowie Leiter der Arbeitsstelle für Sportpsychologische Beratung und Betreuung an der Universität Vechta. Außerdem berät Schweer Leistungssportler und Führungskräfte.

Frage: Der HSV bezieht mal wieder ein Kurz-Trainingslager. In der Vergangenheit ist der Club damit gut gefahren, die Ergebnisse stimmten danach. Wird es wieder so sein? Was kann so ein Trainingslager psychologisch bewirken?
Schweer: Ein Trainingslager in dieser Situation kann als eine Auszeit sehr positive Effekte entfalten – raus aus dem üblichen Rhythmus, weg von den bekannten Gegebenheiten, keine Kontrolle durch Fans und Medien. Trainerstab und Spieler können Kraft tanken, zur Ruhe kommen, sich als Team noch einmal festigen und Motivation für die anstehenden Aufgaben sammeln. Die spielerische Komponente sehe ich dabei weniger im Vordergrund, ein solches Trainingslager hat vor allem psychologische Wirkungen.
Frage: Die Stimmung in Hamburg ist extrem negativ, die Fans drohten den Spielern zuletzt im Falle eines Abstiegs sogar mit Gewalt. Was löst das in einem Spieler aus? Kann man das ausblenden?
Schweer: Inwieweit sich Spieler negativen, zum Teil ja auch erheblich aggressiven Stimmungen entziehen können, hängt zum einen von ihren Erfahrungen mit solchen Situationen, aber auch von ihrer mentalen Stärke ab. In der Tat könnte sich der eine oder andere lieber ein Auswärts- als ein Heimspiel wünschen, bei dem er dieser Stimmung im eigenen Lager nicht so massiv ausgesetzt wäre. Wichtig erscheint es mir daher, innerhalb des Teams etwas Positives dagegen zu setzen und auch seitens des Vereins an alle Fangruppen zu appellieren, sich unterstützend hinter die Mannschaft zu stellen. Denn sie eint doch das Ziel, den Klassenerhalt zu schaffen, und das geht am ehesten durch die Bündelung aller Kräfte im Sinne eines konstruktiven Miteinanders, nicht aber durch ein destruktives Gegeneinander.
Frage: Der Umschwung mit Trainer Bernd Hollerbach ist bislang ausgeblieben, er wartet noch immer auf einen Sieg. Kann diese schwache Start-Bilanz dazu führen, dass sich die Spieler von ihm nicht von der Chance auf den Klassenhalt überzeugen lassen? Und was könnte ein Sieg an diesem Samstag auslösen?
Schweer: Natürlich ist mit einem Trainerwechsel in einer solch kritischen Lage stets die Erwartung auf schnelle Veränderung verbunden, es soll quasi durch den personellen Neustart ein Ruck durch die Mannschaft gehen. Oftmals funktioniert dieser Mechanismus gerade auch am Anfang, was sich in dieser Bundesligasaison ja wieder einmal in anderen Vereinen gezeigt hat. Sicherlich wird der Druck auf den Trainer, auch seitens der Erwartungen, welche die Spieler in ihn setzen, umso größer, je länger dieser Erfolg ausbleibt. Kommt es aber zu einem Sieg am Samstag, so können dadurch durchaus Kräfte freigesetzt und auch Stimmungen im und um das Team herum positiv verändert werden, die künftigen Erfolg wahrscheinlicher werden lassen.
Christopher Deeken
Redakteur
Sportredaktion
Tel:
0441 9988 2031

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