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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Interview: „Wer hier spekulieren möchte, sollte sein Geld vorher abschreiben“

22.12.2017

Frage: Herr Krapp, was sind Bitcoins eigentlich?

Krapp: Bitcoins sind nichts anderes als eine virtuelle Währung, die aber von Banken und Geschäftsbanken bisher nicht staatlich legitimiert ist. Entstanden ist sie im Jahr 2008 im Internet und war ursprünglich als alternatives Zahlungsmittel und Buchungssystem gedacht. Aktuell sind Bitcoins allerdings fast ausschließlich zu einem Spekulationsmittel geworden. Die Herstellung von Bitcoins, das sogenannte Mining, verschlingt bereits viele Ressourcen. Mittlerweile wird für die Produktion von Bitcoins so viel Strom im Jahr verbraucht, wie für die Versorgung einer 1,2-Millionen-Einwohner-Stadt. Deswegen wird teilweise schon in Ländern produziert, wo Strom noch relativ günstig ist, etwa in Island. Außerdem wird inzwischen so viel Rechenleistung benötigt, dass das Mining genauso teuer ist, wie das Schürfen von Gold. Bitcoins sollen möglichst schnell übertragbar sein, hohe Bank- und Auslandsgebühren umgehen und Anonymität gewährleisten.

Zur Person

Matthias Krapp ist Di­plom-Bankbetriebswirt und geschäftsführender Gesellschafter der Abatus Vermögens Management GmbH & Co. KG in Dinklage (Kreis Vechta).

Frage: Warum ist der Bit­coin-Kurs so explodiert?

Krapp: Bitcoins sind zurzeit die größte Kryptowährung, sie deckt momentan zwischen 80 bis 90 Prozent des Marktes ab. Auf der anderen Seite ist die Anzahl der zu erzeugenden Bitcoins auf 21 Millionen beschränkt und daraus entsteht momentan ein Hype, jeder will dabei sein. Allerdings sind Bitcoins noch gar nicht staatlich legitimiert und in China und Russland sogar verboten worden. Sie werden von Regierungen und Notenbanken natürlich nicht gern gesehen, da sie deren Kompetenz und Autorität infrage stellen. Auch in Deutschland oder generell in Europa sind Bitcoins noch nicht legitimiert und können jederzeit kontrolliert oder reguliert werden. Forderungen und Diskussionen auch auf politischer und wirtschaftlicher Ebene laufen bereits.

Frage: Wo kann man Bit­coins erwerben?

Krapp: Man kann sich Bit­coins über eine sogenannte Wallet kaufen, um sie als Zahlungsmittel zu nutzen. Wenn man reell einen Bitcoin erwerben möchte, muss zuerst ein Konto eingerichtet und anschließend eine Wallet angelegt werden. Es gibt aber schon die ersten Anlagevehikel wie ETFs und Fonds, die in Bitcoins investieren – und Zertifikate, bei denen man teils eins zu eins an der Wertentwicklung teilnimmt. Ich muss also nicht zwingend ein Bitcoin-Konto eröffnen und eine Wallet anlegen, sondern kann über ein Wertpapierdepot an der Entwicklung teilhaben – mit geringerem Risiko. Generell sollte man darauf achten, dass die Seiten, auf denen man Anteile von Bit­coins erwerben kann, etwas renommierter sind. Wir geben da aber keine Empfehlungen. Jeder muss für sich entscheiden, ob das Risiko im Verhältnis zum möglichen Ertrag steht.

Frage: Was kann man sich mit Bitcoins kaufen?

Krapp: Das hängt davon ab, wer Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptiert und ob es als solches generell zugelassen ist. Das ist beispielsweise in der Schweiz der Fall aber auch in Deutschland gibt es die ersten, die Bitcoins anerkennen. Das Problem sind aber die immensen Kursschwankungen. Für Unternehmen ist das überhaupt nicht kalkulierbar. Entweder macht man großen Gewinn, geht mit plus minus null heraus oder fährt extreme Verluste ein. Dann wäre da noch die Angst vor Kriminalität, denn häufig werden Bit­coins für dubiose Geschäfte verwendet.

Frage: Welche Risiken gibt es beim Spekulieren mit Bit­coins?

Krapp: Das Risiko besteht hauptsächlich in der Volatilität der Kursentwicklung und darin, dass Bitcoins praktisch jederzeit reguliert und damit auf „Low“ gestellt werden können – unabhängig davon, ob man nun über ein Wertpapierdepot investiert, oder ob man ein Bitcoin-Konto eröffnet und eine Wallet anlegt. Wer das Geld, das er investiert, von vorn herein abschreibt, kann auch vertreten, wenn die Blase platzt. Denn für Bitcoins gibt es keinen Gegenwert, das Ganze basiert bislang nur auf Vertrauen. Bei Geld gibt es zwar auch keinen Gegenwert, aber es ist staatlich legitimiert. Dadurch, dass Staaten Bitcoins nicht kontrollieren können, ist es aber ziemlich wahrscheinlich, dass sie irgendwann eingreifen.

Frage: Kann man Bitcoins verlieren?

Krapp: Ja, sie können beispielsweise durch Hacker gestohlen werden. Es gab sogar den Fall, dass jemand einen Hacker engagieren musste, da er seine Zugangsdaten vergessen und keinen Zugriff mehr auf seine Bitcoins hatte. Aktuell habe ich erfahren, dass eine mir bekannte Person hier aus der Region spekuliert und ihr gesamtes fünfstelliges Vermögen verloren hat, da sie betrügerischen Plattformen aufgesessen ist. Vor vier Jahren warf ein US Amerikaner seine Festplatte mit Bitcoins weg. Mittlerweile sind sie circa 80 Millionen Euro wert – und der Inhaber kämpft verzweifelt darum, die Platte suchen zu dürfen. Doch die US-Stadt verwehrt ihm den Zugang zur Müllhalde.

Frage: Mit welcher Entwicklung rechnen Sie künftig?

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Krapp: Die Hürden für eine Investition in Bitcoins sind aktuell durch den Start des Future-Handels an den Terminbörsen in Chicago kleiner geworden und machen es insbesondere Fonds und Vermögensverwaltern deutlich leichter, auf steigende aber auch fallende Kurse beim Bitcoin zu setzen oder zu spekulieren. Bislang haben viele potenzielle Anleger das Geschehen bei den Kryptowährungen noch von der Seitenlinie beobachtet. Der Zugang über ein nun reguliertes, börsengehandeltes Finanzinstrument wird die Nachfrage

eher fördern. Aber nun können auch die Propheten eines starken Bitcoin-Rückgangs ihre Erwartung leicht umsetzen oder Druck erzeugen. Sichere Prognosen über die künftige Entwicklung des Preises beziehungsweise Wertes kann man nicht geben. Von einer Schwankung zwischen 70 und 80 Prozent über eine Verdoppelung bis zur Verdreifachung in den nächsten Monaten und Jahren ist alles möglich. Eine solide Investition sieht anders aus, hier reden wir von Spekulation.

Sabrina Wendt Redakteurin / Wirtschaftsredaktion
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