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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Interview zum CDU-Vorsitz: Falter: „Jens Spahn hat einen Fehler gemacht“

19.10.2020
Frage: Erste digitale Bewerbungsrunde der Kandidaten für den CDU-Vorsitz bei der Jungen Union – wer hat bei dem Wettstreit am meisten überzeugt?

Jürgen W. Falter

(76) arbeitete als Politikwissenschaftler unter anderem an der Universität Mainz. Sein Schwerpunkt ist die Parteienforschung.

Falter: Es gibt keinen klaren Sieger. Über Erwarten gut gepunktet hat Norbert Röttgen. Er war gerade am Anfang rhetorisch sehr stark und hat direkt das junge Publikum der Jungen Union vor den Bildschirmen angesprochen. Er hat seine Chancen genutzt. Seine Außenseiterrolle ist hier vielleicht noch von Vorteil. Wenn aber am Ende auf dem Bundesparteitag gewählt wird, stimmen ganze Landesverbände mehr oder minder geschlossen ab. Da hat Armin Laschet als Chef des größten Landesverbandes NRW wohl trotz allem die meisten Delegierten hinter sich.

Frage: Wie haben Sie die Aufritte der Kandidaten erlebt?

Falter: Diese Bewerbungsrunde war wohltuend, weil keiner dem anderen ins Wort gefallen ist. Die Kandidaten hatten die Chance, kondensiert zu sagen, welche Schwerpunkte sie setzen würden, sollten sie gewählt werden. Laschet steht für das Weiter so. Er will den Kurs der Mitte fortsetzen und eine Art männliche Angela Merkel werden. Dabei ist er stellenweise als der Meister des Unbestimmten aufgetreten. Merz hat mit seinem Plädoyer für die ökologische Erneuerung der Marktwirtschaft überrascht und für Generationengerechtigkeit geworben. Das war natürlich stark der Audienz, der Jungen Union, geschuldet. Röttgen ist eindeutiger als die beiden anderen als Erneuerer aufgetreten. Als CDU-Erneuerer und Politik-Erneuerer. Das scheint eindeutig seine Linie zu ein. Das kommt beim jungen Publikum im Netz sicher gut an. Röttgen war von den Dreien in meinen Augen in dieser Hinsicht der Originellste, der am stärksten der Zukunft zugewandte.

Frage: Laut Umfragen wünscht sich die Mehrheit der Deutschen Gesundheitsminister Jens Spahn als CDU-Chef und CSU-Chef Markus Söder als Kanzlerkandidaten…

Falter: Die beiden genießen derzeit große Beliebtheit und Zustimmung. So gesehen hat Spahn einen Fehler gemacht. Er tritt mit Laschet im Team an. Wenn Laschet gewählt wird, ist Spahn abhängig von Laschet und bestenfalls der zweite Mann hinter ihm. Laschet will Kanzlerkandidat werden. Wäre Spahn angetreten, hätte er bei der jetzigen Stimmungslage gute Chancen, zum CDU-Vorsitzenden gewählt zu werden.

Frage: Kanzlerin Angela Merkel tritt bei der Bundestagswahl im nächsten Jahr nicht wieder an. Wie groß ist da die Lücke, die die CDU schließen muss?

Falter: Es ist sehr schwer in die Schuhe der Kanzlerin zu steigen. Sie hatte viele Jahre Zeit, sich zu profilieren und hat national wie international viel Anerkennung gefunden. Merz wäre wahrscheinlich der beste Wahlkämpfer mit seiner Rhetorik. Aber noch wissen wir nicht, wie der Wahlkampf in Zeiten der Pandemie überhaupt aussehen wird. In den sozialen Medien und im Fernsehen hat Merz nicht mehr den großen Vorteil, den er aufgrund seines rhetorischen Talents bei Massenveranstaltungen besäße.

Frage: Die Junge Union hat die Bewerbungsrunde ohne Publikum veranstaltet und live in den Sozialen Netzwerken und im Fernsehen gestreamt. Ist das ein politisches Format der Zukunft auch für den Wahlkampf?

Falter: Das war schon sehr professionell. Das Problem war, dass nicht konkret nachgehakt wurde. Da wäre eine Art Kreuzverhör durch die Moderatoren das bessere Format, um in die Tiefe zu gehen.

Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
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