Professor Knabbe, kann die Antikörper-Therapie bei einer Covid-19-Erkrankung helfen?

KnabbeWir setzen große Hoffnungen in diese Therapie. Weil die Erfahrungen mit der Covid-19-Erkrankung noch sehr limitiert sind, gibt es dazu zwar noch keine großen klinisch-kontrollierten Studien. Erste wissenschaftliche Publikationen zeigen aber, dass dies ein therapeutischer Ansatz sein könnte. Zudem wissen wir aus anderen Untersuchungen, dass die Gabe von Blutplasma, das von zuvor viruserkrankten Menschen gewonnen wurde, einen positiven Effekt haben kann.

Wie funktioniert das Ganze?

KnabbeIm Prinzip handelt es sich um eine passive Immunisierung. Ein vergleichbares Verfahren wird in Notaufnahmen der Krankenhäuser erfolgreich bei Patienten etwa mit Schnitt- oder Bissverletzungen angewendet, die nicht über einen Tetanus-Impfschutz verfügen. Diese Patienten bekommen einen in der Regel aus Plasmen gewonnenen Extrakt, der eine sofortige Tetanus-Bekämpfung bewirkt. Beim Coronavirus funktioniert das Ganze ähnlich. Wer eine Covid-19-Erkrankung überstanden hat, bildet fünf bis zehn Tage danach verschiedene Antikörper, die nach ersten wissenschaftlichen Erkenntnissen in der Lage sind, das Coronavirus zu neutralisieren und zu inaktivieren.

Was ist für die Behandlung konkret zu tun?

KnabbeMan führt Plasmaspenden bei geheilten Patienten durch und versorgt sehr schwer an Covid-19 erkrankte Patienten mit diesem Plasma. Wenn sich unsere Erwartungen bestätigen, wird sich dadurch die Überlebenschance dieser Patienten deutlich verbessern.

Wie ist der Ist-Stand bei Ihnen?

KnabbeAuf der Grundlage eines Ausnahmeerlasses des Gesundheitsministeriums hat es uns das zuständige Regierungspräsidium Detmold erlaubt, seit Dienstag Spender zu rekrutieren und in Einzelfällen mit der Behandlung zu beginnen. Wir starten gerade einen Aufruf, um geheilte Covid-19-Patienten zu finden, die genügend Abwehrstoffe im Blut haben und sich dann für eine Plasmaspende zur Verfügung stellen. Wenn zeitnah die ersten Spender zur Verfügung stehen, können wir im Rahmen eines sogenannten Heilversuchs im Laufe des Aprils mit der Behandlung beginnen und wenig später erste Ergebnisse präsentieren. Wenn sich das Ganze bewährt, könnte die Antikörper-Therapie in einigen Wochen oder Monaten eine flächendeckende Behandlungsoption sein.