Frau Hoeft, Sie waren von 1995 bis 2010 als Richterin am Oldenburger Verwaltungsgericht tätig, jetzt kehren Sie zurück – und zwar als Präsidentin. Hatten Sie diesen Posten schon immer im Blick?
HoeftDer Wechsel an das Verwaltungsgericht Lüneburg im Jahr 2010 hatte ausschließlich private Gründe. Den neuen Posten hatte ich damals überhaupt nicht im Blick.
Beschreiben Sie doch kurz Ihre Gefühlslage, als Sie erfahren haben, dass die Wahl auf Sie als neue Oldenburger Verwaltungsgerichtspräsidentin fiel.
HoeftEinerseits Freude darüber, dass die Wahl auf mich gefallen ist, andererseits Respekt vor der neuen Aufgabe, die eine große Verantwortung mit sich bringt.
Wo liegen Ihre juristischen Schwerpunkte?
HoeftIn den letzten Jahren war ich Vorsitzende der Beamtenkammer sowie der Fachkammern für Disziplinarrecht. Dies hat mich geschult für alle Aufgaben, die im neuen Amt mit Personalführung zusammenhängen. In Asylverfahren war meine Kammer für Albanien und Pakistan zuständig. Hier am Gericht habe ich die 13. Kammer meines Vorgängers Herrn Streichsbier übernommen, die im Wesentlichen mit Verfahren aus folgenden Gebieten befasst ist: Schwerbehindertenrecht, Kinder- und Jugendhilferecht, Jugendschutzrecht sowie Ausbildungs- und Studienförderungsrecht sowie Kindergartenrecht einschließlich Kindergartengebührenrecht. Im Bereich des Asylrechts ist die Kammer für die Herkunftsländer Iran und Libanon zuständig.
Was wollen Sie anders machen als Ihr Vorgänger?
HoeftIch habe ein Haus übernommen, das gut aufgestellt ist. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sehr motiviert. Dabei ist die Situation am Gericht derzeit von den sehr hohen Eingängen bei den Asylverfahren gekennzeichnet. Um das deutlich zu machen: allein in diesem Jahr sind bisher mehr als 5000 Verfahren neu eingegangen. Der prozentuale Anteil der Asylverfahren liegt bei fast 70 Prozent. Im Monat Juni sind fast 900 Verfahren eingegangen; das gab es noch nie. Ich rechne für das ganze Jahr 2017 mit 9000 neu eingegangenen Verfahren. Das Gericht ist personell bereits verstärkt worden. Die Landesregierung hat hier frühzeitig und weitsichtig reagiert. Es wird aber mehrere Jahre dauern, den entstandenen „Berg“ von Verfahren abzubauen. Eine meiner wichtigsten Aufgaben sehe ich darin, die Motivation des gesamten Teams zu erhalten und alle zu unterstützen bei der Bewältigung der Verfahren. Dies kann etwa durch Fortbildungen oder Maßnahmen zur Erhaltung der Gesundheit sein. Dabei denke ich auch an Schulungen zum Thema Stressbewältigung. Ich hoffe auch, dass die Landesregierung das Gericht mit weiterem Personal verstärkt, auch indem weitere Kolleginnen und Kollegen von den Zivilgerichten für ein bis zwei Jahre zu uns abgeordnet werden.
Sie haben ja nun ein großes Mitarbeiter-Team zu führen. Welcher Typ Chef sind Sie: „Harte Hand“ oder „Schmusekurs“?
HoeftZur Zeit sind 38 Richterinnen und Richter am Gericht beschäftigt . Davon sind allerdings nicht immer alle „an Bord“, zeitweise sind ein bis zwei Kolleginnen und Kollegen in die Verwaltung beziehungsweise an das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg abgeordnet. Einige Kolleginnen sind in Teilzeit beschäftig beziehungsweise in Elternzeit, so dass die genannte Zahl schwankt und nach unten zu korrigieren ist. Im Folgedienst – das sind die Serviceeinheiten, Wachtmeisterei, Geschäftsleitung und so weiter – sind 26 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.
Geschickt ausgewichen: Harter Hand oder Schmusekurs?
HoeftDa sollten Sie in einem Jahr vielleicht bei den Kolleginnen und Kollegen im Haus nachfragen. Ich kann im Moment sagen, dass mir Teamarbeit und Transparenz bei den zu treffenden Entscheidungen wichtig sind. Ich hoffe, einen Weg zwischen den beiden von Ihnen genannten Extremen „Harte Hand oder Schmusekurs“ zu finden. Generell lässt sich das nicht sagen, es kommt auch auf die jeweilige Situation an.
Und zu Hause, wer ist da der Chef?
HoeftIch bin alleinerziehende Mutter von zwei Söhnen. Da musste ich natürlich auch zu Hause der Chef sein, auch wenn meine Söhne das gelegentlich nicht einsehen wollten… Inzwischen sind beide ausgezogen und studieren, so dass das Thema keine große Rolle mehr spielt.
Was machen Sie außerhalb von Paragrafen und Vorschriften – erzählen Sie uns ein bisschen was über die private Karola Hoeft…
HoeftIch lese und verreise sehr gern. Südtirol finde ich toll, dort war ich schon einige Male zum Wandern und Skilaufen. Um nicht einzurosten, mache ich auch ein bisschen Sport. Ansonsten gehe ich gern ins Theater oder treffe mich mit Freunden zum Kochen und Klönen.
