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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Keine Einbahnstraße auf Karriereleiter

14.07.2015
Frage: Bei der Zahl der Lehrverträge hat es 2014 ein Plus von 3,2 Prozent im Bezirk der Handwerkskammer Oldenburg gegeben. Glauben Sie, dass sich diese positive Entwicklung fortsetzen wird?
Henke: Wir freuen uns über die positive Entwicklung im vergangenen Jahr. Und wir hoffen auch, dass wir im laufenden Jahr diese guten Zahlen zumindest halten können. Grundsätzlich spüren wir jetzt aber auch hier im Oldenburger Land, dass die Zahl der Bewerber, allein schon wegen der demografischen Entwicklung, etwas rückläufig ist.
Frage: Was bedeutet dieser Trend für das Handwerk?
Henke: Das bedeutet, dass sich die Betriebe ihres Images bewusst werden müssen. Wer auch künftig an die guten Lehrlinge kommen will, muss mit verschiedenen Argumenten überzeugen. Und das geht nur über eine hohe Ausbildungsqualität und ein faires Miteinander. In den Sozialen Medien von Facebook bis Twitter spricht sich heute schnell rum, ob man im Betrieb zufrieden ist und gut ausgebildet wird oder nicht. Und da hilft dann hier in der Region auch der Preis für Innovative Ausbildung (PIA) der NWZ .
Frage: Inwiefern?
Henke: Zum einen hören wir von den Preisträgern aus den vergangenen PIA-Wettbewerben immer wieder, dass sie positiv überrascht gewesen sind, wie das in der Bevölkerung aufgenommen wurde. Auch bei jungen Leuten bleibt hängen, wenn ein Betrieb mit einer interessanten Idee in Sachen Ausbildung aufgefallen ist. Das erhöht dann auch die Chancen, dass sich mehr junge Leute bei diesem Betrieb bewerben. Und zum anderen kann PIA auch für andere Betriebe einen Mehrwert bieten, weil dort gute Ideen vorgestellt werden, die man vielleicht selbst auch bei sich im Betrieb umsetzen kann.
Frage: Was unternimmt die Handwerkskammer selbst, um die Ausbildungsqualität zu verbessern?
Henke: Wir haben zum Beispiel einen Ausbildungsordner entwickelt. Das ist ein relativ umfangreiches Werk mit einzelnen Arbeitsheften. Darin enthalten sind beispielsweise Informationen zur Frage, wie man effektiv Nachwuchs wirbt und auswählt, zum Thema gelungener Ausbildungsstart oder zur Frage, wie die jungen Leute fit für die Prüfung gemacht werden können. Dieser Ordner wird, ebenso wie die Workshops, die wir in diesem Zusammenhang anbieten, sehr gut angenommen. Grundsätzlich verbessern unsere Ausbildungsberater die Ausbildungsqualität durch ihre tägliche Arbeit, zum Beispiel bei moderierenden Gesprächen mit den Betrieben und den Auszubildenden. Wir weisen punktuell darauf hin, dass jeder Mitarbeiter im Betrieb eine Verantwortung gegenüber den Auszubildenden hat.
Frage: Muss man im Zuge des demografischen Wandels als Handwerksbetrieb in Sachen Ausbildung den Horizont erweitern, sprich stärker auch eher lernschwächere Schüler sowie Gymnasiasten ins Blickfeld nehmen?
Henke: Bei vielen Betrieben ist das längst eine Selbstverständlichkeit und dafür erhalten sie auch viel Unterstützung. Ab dem neuen Ausbildungsjahr erweitert das Instrument der „Assistierten Ausbildung“ diese Hilfen. Ausbilder und Jugendliche sollen künftig durch einen beauftragten Bildungsträger, also konkret durch eine Betreuerin oder einen Betreuer, intensiv unterstützt werden.
Frage: Und wie wollen Sie Gymnasiasten stärker vom Handwerk überzeugen?
Henke: Wir weisen immer wieder darauf hin, dass es vielfältige Möglichkeiten gibt, im Handwerk Karriere zu machen. Denn wir brauchen auch junge Menschen, die bereit sind, Betriebe zu führen und sich selbstständig zu machen. Und das ist etwas, was wir auch den Eltern immer wieder sagen: Dass eben nicht nur Abitur und Studium zum Erfolg führen, sondern auch eine breit aufgestellte Ausbildung. Das heißt, der junge Mensch macht erst einmal eine normale Ausbildung und später dann eine Ausbildung zum Meister und kann dann ja – selbst wenn er kein Abitur gemacht hat – später immer noch studieren. Die vermeintliche Einbahnstraße auf der Karriereleiter muss aus den Köpfen raus. Von daher begrüßen wir es auch ausdrücklich, dass die Berufsorientierung nun an allen Gymnasien stattfinden soll.
Jörg Schürmeyer
Redakteur
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2041

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