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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Rechtschreibrat: Keine Regeln von oben herab

02.07.2016
Frage: Wozu braucht man eigentlich noch den Rat für deutsche Rechtschreibung?

Lange: Aus meiner Sicht hat er sich nicht überholt. Und zwar deshalb, weil die Sprache, um es etwas salopp zu formulieren, ein lebendig Ding ist und sich weiterentwickelt. Das Max-Planck-Institut für Psycholinguistik in Nijmegen hat festgestellt, dass der deutsche Wortschatz sich im 21. Jahrhundert um ein Drittel vergrößert hat. Und wenn man sich anschaut, in welcher Geschwindigkeit neue Wörter hinzukommen, dann braucht es einen Rechtschreibrat.

Frage: Könnte man diese Aufgabe nicht der Dudenredaktion überlassen?

Lange: Die Frage ist berechtigt, aber der Rat für deutsche Rechtschreibung ist nicht nur für Deutschland zuständig, sondern für den gesamten deutschsprachigen Raum. Die individuellen Entwicklungen der jeweiligen Länder – neben Deutschland auch die Schweiz, Österreich, Liechtenstein, Bozen-Südtirol und deutschsprachige Gebiete Belgiens sowie assoziiert Luxemburg – gilt es zu berücksichtigen. Was der Duden für Deutschland ist, ist beispielsweise das Österreichische Wörterbuch für Österreich. Und die beiden sind nicht identisch.

Frage: Als das Reformwerk 1996 auf den Weg gebracht wurde, schlugen die Wogen hoch. Ist der Rechtschreibfrieden wiederhergestellt?

Lange: Mein noch amtierender Vorgänger, Hans Zehetmair, hat in den vergangenen zwölf Jahren erreicht, dass die Wogen nicht mehr so hoch schlagen. Der Rat und die Reformer von damals haben begriffen, dass sich Sprache entwickelt und man nicht von oben herab vorgeben darf, wie zu schreiben ist. Sprache und geschriebene Sprache sind zu beobachten, um dann Hinweise zu geben, nach welchen Regeln vorzugehen ist. Damit das Ganze schlüssig bleibt, Schüler danach unterrichtet werden können sowie Verwaltung und Rechtspflege in allgemeinverbindlicher Sprache das tun, was zum Erhalt unseres Gemeinwesens erforderlich ist.

Frage: Erklärtes Ziel der Rechtschreibreform war ja, es für Schüler einfacher zu machen. Haben sie es jetzt besser?

Lange: Die Reform ist in den Schulen und bei den Schülern viel besser angekommen als bei den Älteren. Das hat sicher etwas mit Gewohnheit zu tun und mit einer gewissen Resistenz gegenüber Veränderungen. Aus den allgemeinen Tests an den Schulen lässt sich schließen, dass die Rechtschreibleistungen nicht schlechter sind als vor der Reform. Es besteht jedoch die Sorge, dass die Lehrerschaft immer weniger Wert auf korrekte Rechtschreibung legt. Dazu gibt es entsprechende Empfehlungen des Rates zur Gestaltung der Lehrpläne, nicht nur im Deutschunterricht darauf zu achten, sondern auch in allen anderen Fächern. Die Rechtschreibung gehört zu den Kulturtechniken, die man mit Einführung des Computers nicht einfach beiseite legen kann.

Frage: Haben Sie vor 20 Jahren die neuen Rechtschreibregeln hingenommen oder als Belästigung empfunden?

Lange: Das ist lange her. Ich war damals Generalsekretär der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Der Beschluss ist ja mit einer langen Übergangszeit gefasst worden, und dann kam die Reform der Reform. Selbst die großen Zeitungen und die Deutsche Presse-Agentur sind in den Jahren 2006-2007 dazu übergegangen, das re-reformierte Regelwerk anzuwenden. Im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, in dem ich Amtschef war, war das kein Problem.

Frage: Ich wollte eigentlich etwas über Ihre persönliche Einstellung erfahren. War es keine Umstellung für Sie?

Lange: Ich habe mich relativ schnell angepasst, weil mir die meisten Vorschläge einleuchteten. Da ich niemand bin, der der Vergangenheit nachtrauert und vom Grundsatz her optimistisch bin, haben mich Veränderungen nie geschreckt, auch nicht die in der Sprache. Wobei ich nicht behaupten will, dass ich immer nach allen neuen Regelungen auch tatsächlich schreibe. Manchmal muss ich nachschauen, manchmal mehr, als mir lieb ist. Aber auch nicht häufiger als früher.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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