Herr Becker, die deutschen Arbeitgeber wollen schnell Flüchtlinge beschäftigen. Können Sie den Unternehmen Hoffnung machen?

BeckerWir haben einige Hunderttausend Flüchtlinge im Land, die eine gute Chance auf Bleiberecht haben. Aber sie sind keine Sofort-Lösung für die Fachkräfteprobleme der deutschen Wirtschaft. Die meisten Flüchtlinge sind sehr motiviert, leistungsbereit und jung. Doch ihre formalen Qualifikationen entsprechen oft noch nicht dem, was in Deutschland gefragt ist. Natürlich gibt es auch den Ingenieur oder den erfahrenen Arzt aus Syrien. Aber das ist die kleinere Zahl. Dennoch wird es möglich sein, die größte Zahl der Flüchtlinge langfristig in unseren Arbeitsmarkt zu integrieren. Das ist unsere Chance und Herausforderung zugleich.

Wo rechnen Sie mit den größten Problemen?

BeckerFür die überwiegende Zahl der Flüchtlinge geht es im ersten Schritt um Sprache, Sprache, Sprache. Ein Teil der Menschen wird mit ihren vorhandenen Kompetenzen Arbeit finden. Der größere Teil aber benötigt im zweiten Schritt Aus- und Weiterbildung, sprich formale Qualifikation. Es gibt auch Probleme wie Traumatisierung oder Analphabetismus. Wir sollten die Flüchtlinge in Deutschland willkommen heißen. Aber bevor sie auf dem Arbeitsmarkt erfolgreiche Fuß fassen können, müssen wir sie intensiv unterstützen. Diese Investitionen werden sich langfristig auszahlen.

Wird bei den Flüchtlingen auf Fördern und Fordern gesetzt?

BeckerNatürlich gelten für alle die gleichen Regeln. Ich sehe bei Schutzsuchenden eine hohe Motivation und hohen Arbeitswillen. Aber bei den Flüchtlingen gibt es zuerst drängendere Probleme als die Sprache. Dazu kommt, dass viele von ihnen nicht wissen, wie Deutschland funktioniert. Viele misstrauen den Behörden erst einmal. Sie hatten zu Hause in ihren Ländern teilweise mit korrupten Beamten zu tun. Da ist Deutschland ein völlig anderes Umfeld. Wir müssen jetzt sicherstellen, dass Flüchtlinge, die wahrscheinlich für längere Zeit bei uns bleiben, schnell Deutsch lernen. Hier ist die Herausforderung, jetzt genügend Kursplätze zu schaffen.