350 Salafisten halten sich in Bremen auf. Ist die Stadt damit eine Hochburg des Salafismus?

Von WachterZahlenmäßig ist das im Verhältnis zur Einwohnerzahl in der Tat so: Bremen ist eine der salafistischen Hochburgen in Deutschland.

Was zieht Salafisten in die Hansestadt?

Von WachterEs gibt Personen, die im Islamischen Kulturzentrum in Bremen sowie auch im Kultur- und Familienverein der Stadt in den letzten Jahren ein Netzwerk aufgebaut haben. Dabei geht es in erster Linie um Religionsarbeit. Dann gibt es auch Verbindungen zu Organisationen wie „Einladung zum Paradies“, einer salafistischen Bewegung in Deutschland. Vom islamischen Kulturzentrum aus gibt es auch enge Verbindungen nach Saudi-Arabien zu salafistischen Netzwerken, so dass viele Prediger, Scheichs und Gelehrte nach Bremen kamen, um hier Seminare abzuhalten. Dadurch haben bei Einrichtungen eine hohe Anziehungskraft entwickelt. Beide haben Internetauftritte und repräsentieren nach Außen. Einige Mitglieder aus dem Kultur- und Familienverein wurden bereits verurteilt wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung.

Ist jeder dieser 350 Salafisten gewaltbereit?

Von WachterNein. Man kann sagen: Jeder islamistische Terrorist ist auch ein Salafist, aber nicht jeder Salafist ist auch ein Terrorist. Das ist nur eine winzig kleine Prozentzahl. Aber der Salafismus als solcher widerspricht der demokratisch-freiheitlichen Grundordnung, sei es in Bezug auf die Gleichstellung von Mann und Frau oder die Befürwortung der Scharia. Diesebezüglich haben wir auch in Bremen Aktivitäten bemerkt.

Wie kann man die 40 000 in Bremen friedlich lebenden Muslime vor Salafisten, aber auch vor Stigmatisierung schützen?

Von WachterIn erster Linie durch Aufklärung. Bildungseinrichtungen müssen sich diesem Problem annehmen, denn es geht ja viel tiefer. Es geht nicht um Terrorismus, sondern um Jugendliche, die Orientierung suchen. Für sie und ihre Eltern muss es genug Anlaufstellen geben, die Rat und Hilfe bieten.

Hans-Joachim von Wachter ist Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz in Bremen. Am Mittwoch hat er den Verfassungsschutzbericht 2011 vorgestellt. Demnach leben von bundesweit rund 3800 Salafisten 350 im kleinsten Bundesland.