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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

„Kraftfahrtbundesamt ist Bettvorleger der Industrie“

24.09.2015
Frage: Herr Resch, VW-Chef Martin Winterkorn ist zurückgetreten. Ein überfälliger Schritt?
Resch: Dazu gab es keine Alternative. Jetzt muss Volkswagen lückenlos erläutern, welche weiteren Autos diese betrügerischen Abschalteinrichtungen haben. Und klarstellen, dass allen betroffenen Autobesitzern durch eine Rückrufaktion die nicht funktionstüchtige Abgasreinigungsanlage auf die ehrliche Einhaltung der jeweiligen Abgasstufe repariert wird.
Frage: In den USA will man jetzt auch Fahrzeuge anderer Hersteller genau kontrollieren. Haben auch andere Autokonzerne bei Abgasuntersuchungen manipuliert?
Resch: Ich bin gespannt, was in den USA noch herauskommt. Aber das Problem ist in Europa ungleich größer. Und es handelt sich nicht nur um ein Problem von VW und Audi. Auch BMW, Opel und andere Hersteller manipulieren rechtswidrig bei den Zulassungstest – und das seit Jahren. Im Durchschnitt sind moderne Diesel-Pkw um den Faktor Sieben mal schmutziger als erlaubt, im Extremfall sind bis zu 25-fache Überschreitungen gemessen worden.
Frage: Schaut das Kraftfahrtbundesamt hierzulande bei Untersuchungen nicht so genau hin?
Resch: Das Kraftfahrtbundesamt ist ein Bettvorleger der Automobilindustrie. Diese Bundesbehörde ist zum verlängerten Arm der Autohersteller verkommen. Was für ein Abstieg für eine einstmals stolze Überwachungsbehörde. Es ist gleichzeitig auch Dienstleister, der gegen Bezahlung bestimmte Dinge für die Autoindustrie erledigt. Kein Vergleich zur Souveränität der amerikanischen Umweltbehörde EPA.
Frage: Hält die Bundesregierung die schützende Hand über die Autoindustrie?
Resch: Die Automobilindustrie braucht keine schützende Hand. Diese sitzt mit dem Präsidenten des Verbandes der Automobilindustrie, dem früheren Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann, ­praktisch mit am Kabinettstisch. Er ist eigentlich der regierende Verkehrsminister. Und die Autoindustrie führt der deutschen Bundesregierung regelrecht die Hand bei neuen Gesetzen und Verordnungen, die sie kontrollierten sollten.
Andreas Herholz
Korrespondentenbüro Berlin
Tel:
0441 9988 2018

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