Geht die Generation von Internet und Social Media globale Probleme anders an?

Bill GatesDas hoffen wir, denn wir haben globale Pro­bleme. So etwas wie der Klimawandel erfordert, dass nicht nur einzelne Länder, sondern alle Länder ihre Energiesysteme verändern – und das ist ganz schön gewaltig. Man braucht also Menschen, die langfristig denken und sich nicht nur um ihr Land, sondern auch um die Menschheit Gedanken machen. Die neue Generation reist zwar mehr und weiß mehr, aber ich würde mir insgesamt noch mehr Engagement von ihnen wünschen.

Wie soll man junge Menschen zu mehr Engagement bewegen, wenn die Pro­bleme so überwältigend scheinen?

Bill GatesDie Krisen machen deutlich, dass es uns aus moralischer Sicht interessieren sollte, was Menschen weit weg von uns passiert, und dass es uns auch betreffen wird. Wenn die Menschen in Afrika ihre Felder nicht mehr ausreichend bestellen können, müssen sie Flüchtlinge werden – und das wären dann so viele, dass selbst das jetzige Problem dagegen klein erscheinen würde. Dann brauchen wir Kreativität: Was sollten diese Flüchtlinge machen? Könnten die Kinder mit ihren Internet-Fähigkeiten Sprachen lernen? Welche Jobs könnten sie übernehmen, wie könnten wir uns organisieren? Das letzte Mal, als wir so eine Krise hatten, hatten wir solche Hilfsmittel noch nicht.

Wie sehen Sie Angela Merkes Rolle in der Flüchtlingskrise?

Bill GatesSicherzustellen, dass die Flüchtlinge gut behandelt werden und die Gesellschaft nicht zerrissen wird – das ist ein komplizierter Balance-Akt. Allgemein wurde ihre Aussage, dass sie helfen will, sehr positiv angesehen. Im Libanon, Jordanien oder der Türkei gibt es ja viel mehr Flüchtlinge, ein gewaltiger Anteil an der Bevölkerung. Ich will die Zahl in Europa überhaupt nicht kleinreden, besonders weil ja einige wenige Länder wie Deutschland, die Niederlande, Schweden oder Österreich die Hauptlast tragen. Aber es ist nicht annähernd so dramatisch wie in der Region um Syrien herum und dann natürlich in Syrien selbst. Mit einer konstruktiven Herangehensweise sollte überlegt werden, wie man die Flüchtlinge in Europa und der Region um Syrien organisieren und ihnen besser helfen kann.

Melinda GatesWas Kanzlerin Merkel sehr gut gemacht hat, ist, dass sie gemeinsam mit anderen Staats- und Regierungschefs nach vorne geschaut hat. Wie können wir den Menschen in ihren Ländern helfen, mit ihrem Gesundheitssystem, mit Bildung und anderem, damit – wenn es keinen Konflikt gibt – sie gar nicht erst wegziehen?

Bill GatesJa, wir dürfen auf gar keinen Fall diese langfristigen Investitionen unterbrechen, während wir jetzt diese Krise angehen.

Was können Philan­thropen wie Sie überhaupt ausrichten?

Bill GatesWir arbeiten mit vielen Hilfsprogrammen reicher Länder wie den USA, Deutschland und Großbritannien sehr eng zusammen. Der einzige Bereich, wo wir ziemlich auf uns alleine gestellt sind, ist die langfristige Forschung, für einen Impfstoff gegen Malaria und HIV zum Beispiel. Das machen weitgehend wir. Regierungen, außer der der USA, sind da eher nicht so forschungsorientiert.

Wen sähen Sie gern als neuen US-Präsidenten – und wie viel Angst macht Ihnen Donald Trump?

Melinda GatesWir sprechen nie darüber, wen wir wählen.

Bill GatesWir setzen uns für Engagement für die internationale Gemeinschaft und Großzügigkeit ein. Und da gab es sowohl Republikaner als auch Demokraten, die dafür standen. Was diesmal alles so gesagt wurde, hat uns natürlich fasziniert – hoffentlich geht es gut aus.