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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Kulturschaffende sind zu leise gewesen

26.09.2016
Frage: Frau Demirkan, Sie haben die Initiative „Checkpoint Demokratie“ gegen rassistische Hetze gestartet. Was hat Sie angetrieben?

Demirkan: Rassistisch motivierte Übergriffe sind in Deutschland leider nicht neu. Unvergessen Solingen und Mölln in den 90er Jahren. Jedoch stieg die Anzahl der Übergriffe in den letzten fünf Jahren wieder und hat sich in den zwei Jahren vergangenen Jahren nochmal fast um das Fünffache gesteigert. Physische Übergriffe, Mordanschläge, Brandsätze gegen Flüchtlingsheime – bei diesen Tätern hat sich die Humanität aufgelöst. In der AfD sehe ich ein bürgerliches Sammelbecken für Rassismus in neuen Farben. Wenn führende Köpfe in der Partei sagen, ,völkisch’ sei ein normales Adjektiv, dann wird es für mich wirklich brenzlig. Das ist nicht mehr demokratisch. Auch der Begriff ,Umvolkung’, den eine CDU-Abgeordnete jetzt benutzt hat, ist schlimm. Das Fundament der Demokratie ist die Offenheit, und die ist in Gefahr.

Frage: Was setzen Sie dem entgegen?

Demirkan: Diejenigen, die nicht ausgrenzen, die keine Flüchtlingsheime anzünden, sind noch in der Mehrheit. Aber wir sind nicht deutlich genug, und das muss sich ändern. Wir müssen uns auch klar werden, warum das so weit gekommen ist. Die Hartz-IV-Reformen, die ökonomischen Reformen, die Veränderung der Arbeitswelt haben aus uns eine Gesellschaft von Ich-lingen gemacht. Der solidarische Kitt geht verloren. Wenn sich die Verunsicherung auch in rassistischen Übergriffen entlädt, ist das vielleicht verständlich, aber nicht akzeptabel. Deswegen muss die Politik mit sozialen Reformen reagieren und nicht vor dem Kapitalismus resignieren, um gegen die Verunsicherung vorzugehen.

Frage: Ist Rassismus salonfähig geworden?

Demirkan: Es gibt immer mehr Menschen, die von der Sündenbocktheorie überzeugt sind. Ich traf gerade einen Politiker aus Essen, der einmal Sozialdemokrat war. Jetzt sagt er, für die Probleme im Ruhrgebiet seien die Flüchtlinge verantwortlich, obwohl die Region seit dreißig Jahren im Umbruch ist. Das beängstigt mich.

Frage: Ist der Kulturbetrieb zu leise gewesen?

Demirkan: Ja, das muss man unbedingt so sagen. Wir Kulturschaffenden sind jetzt gefragt, wir müssen die Zusammenhänge erklären.

Tobias Schmidt Korrespondentenbüro Berlin
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