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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Einzelhandel: „Kunde will beim Einkauf etwas erleben“

25.08.2015
Frage: Zuletzt war vermehrt zu hören, dass die Konsumlaune in Deutschland so gut ist wie lange nicht. Dennoch hat man den Eindruck, dass vor allem der Online-Handel und der Handel in größeren Städten davon profitieren. Bleibt der Handel in ländlichen Regionen auf der Strecke?

Trocha: In den ländlichen Regionen müssen wir unterscheiden zwischen schwachen und stärkeren Strukturgebieten. Wenn man etwa das Oldenburger Land und insbesondere Südoldenburg betrachtet, dann hat man hier zwar klassische ländliche Strukturen, aber dennoch prosperierende und kaufkraftstarke Bereiche. Wenn man demgegenüber etwa den Großraum Celle oder die Lüneburger Heide betrachtet, dann gibt es dort zwar ähnliche ländliche Strukturen, aber eine ganz andere Bevölkerungsentwicklung und deutlich unterschiedliche Kaufkraftverhältnisse.

Immobilienberater im Einzelhandel

Die Robert C. Spies Gewerbe und Investment GmbH & Co. KG zählt zu den führenden Immobilienberatungsunternehmen in Norddeutschland. Das in Bremen und Hamburg ansässige Unternehmen wurde 1919 gegründet und beschäftigt heute mehr als 50 Mitarbeiter.

Uwe Trocha (52) leitet als Head of Retail den Bereich Verbrauchermärkte und Discounter bei Robert C. Spies und befasst sich vor allem mit der Vermietung, dem Verkauf und Revitalisierungsmaßnahmen von Immobilien im Lebensmitteleinzelhandel. Der Diplom-Ökonom war zuvor u.a. Geschäftsbereichsleiter für die Immobilien-Expansion von Edeka Minden-Hannover.

Andreas Fuchs (51) ist Leiter des Bereichs Projekte und Entwicklung bei dem Immobilienberatungsunternehmen. Der Architekt und Stadtplaner lehrte an Hochschulen, ist Gründungsmitglied des universitären Wissensnetzwerkes Stadt und Handel e.V. und war zuvor u.a. bei ECE Projektmanagement tätig.

Frage: Und grundsätzlich?

Trocha: Nach der Expansion auf der grünen Wiese bis in die Mitte der 2000er Jahre gibt es seit etwa acht Jahren einen ganz klaren Trend in die Zentren, in die Städte. Die Händler wollen sich dort ansiedeln, wo der Kunde auch wohnt und lebt. In den ländlichen Bereichen haben wir hingegen die Problematik, dass es in den vergangenen Jahren überhaupt nur noch einen Discount-Anbieter gab, der in Gemeinden bis 3000 Einwohner angemietet hat. Alle anderen haben diese Gemeinden gar nicht mehr im Fokus.

Frage: Haben kleinere Kommunen denn überhaupt noch Chancen, sich mit Blick auf den Einzelhandel weiterentwickeln zu können?

Fuchs: Die Chance besteht, aber mit der Einschränkung, dass man bei den Sortimenten sicherlich begrenzt sein wird. Die Intention, Shoppen zu gehen, ist heute nicht mehr nur die, sich beispielsweise Bekleidung zu kaufen. Die Erwartungshaltung der Kunden ist vielmehr die, auch etwas erleben zu wollen. Und das werden sie seltener in einer Gemeinde mit 2500 Einwohnern finden, sondern das werden sie vornehmlich mit einem Ausflug in eine Stadt wie Oldenburg mit ihrer wunderbaren Fußgängerzone oder Bremen verbinden. Die Versorgung mit Gütern tritt hierbei in den Hintergrund. Im Vordergrund steht ein gewisses Erlebnis, das man mit dem Einkauf verbinden möchte, also eine attraktivere Gestaltung mit vielfältigen Angeboten aus dem Gastronomie-, Event-, Kultur- oder Sportbereich.

Frage: Wie könnte ein Einzelhandelskonzept für eine kleinere Kommune aussehen?

Fuchs: Ein perfektes Konzept für eine ländliche Gemeinde mit weniger als 3000 Einwohnern hat wohl keiner parat. Ein Ansatz könnte es aber sein, verschiedene Aspekte miteinander zu verbinden. Es wird nicht reichen, in einer kleinen Gemeinde eine Immobilie zu errichten, in der nur ein solitär betriebener Lebensmittelhändler mit 400 Quadratmetern Fläche vertreten ist. Die Kosten, die der Betreiber zu tragen hätte, könnte er durch seine Umsätze normalerweise nicht decken.

Frage: Aber...

Fuchs: Aber es kann funktionieren, wenn es einer Gemeinde gelingt, eine gewisse Zentralität durch eine gemischt genutzte Immobilie zu schaffen, in der man im Erdgeschoss nicht nur ein Lebensmittelgeschäft und/oder einen Discounter hat, sondern auch noch verschiedene Dienstleistungen, oder Ansiedlungen aus dem Bereich Ärzte und Versorgung. Und die Obergeschosse dann einer anderen Nutzung, z.B. Wohnraum, zuführt. Ziel ist es, Frequenz an einem Ort zu bündeln und damit die Attraktivität zu erhöhen.

Frage: Welche Trends sehen Sie im städtischen Handel?

Trocha: Ganz pauschal kann man sagen, dass die Flächen sehr flexibel sein müssen. Die Flächen werden tendenziell kleiner und die Mietlaufzeiten kürzer. Alles läuft auf eine maximale Flexibilität hinaus. Ein anderes Thema, das eine stärkere Rolle spielen dürfte, sind Showrooms. Schon heute findet man solche Konzepte in Metropolen weltweit, aber auch zunehmend in Deutschland, etwa in Hamburg am Neuen Wall. Viele Firmen haben dort einen Laden, aber dabei geht es ihnen weniger um Umsatz als um das Transportieren einer Markenbotschaft. Wir sprechen über Multichannel-Händler, die das Geschäft eben nicht nur im stationären Handel machen sondern auch im Internet und hierfür aber eine Markenrepräsentanz benötigen.

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Frage: Wo sehen Sie den Einzelhandel in den nächsten zehn Jahren?

Trocha: Also ich persönlich sehe den stationären Einzelhandel eher in der Stadt und in attraktiven Mittelzentren, die es geschafft haben, ihre Stadt auch als Marke auszubilden und attraktiv sind. Eine Stadt muss ganzheitlich attraktiv sein, auch in den Segmenten Wohnen, Bildung, Kultur und Erlebnis.

Jörg Schürmeyer Redakteur / Wirtschaftsredaktion
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