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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Langzeitarbeitslose sind Verlierer der vergangenen Jahre

04.01.2017
Frage: Die Arbeitslosigkeit ist im Dezember zwar gestiegen, liegt aber deutlich unter dem Wert des Vorjahresmonats. Wird sich das deutsche Jobwunder 2017 fortsetzen?
Fratzscher: Vieles deutet darauf hin, dass sich die gute Arbeitsmarktentwicklung fortsetzen wird – allerdings mit weniger Dynamik. Wir rechnen für 2017 mit rund 100 000 Beschäftigten mehr. Die Wachstumszahlen sind nach wie vor ordentlich. Allerdings wird oft vergessen, dass wir in Deutschland inzwischen einen regelrechten Arbeitskräftemangel haben. Es gibt über eine Million offene Stellen. Viele Unternehmen suchen händeringend nach Beschäftigten. Da geht es um Hoch- genauso wie um Geringqualifizierte.
Frage: Woran liegt es, dass die offenen Stellen nicht besetzt werden?
Fratzscher: Wir bräuchten einen noch stärkeren Beschäftigungsaufbau, so dass offene Stellen gefüllt werden können. Das wäre eine der Voraussetzungen dafür, dass die Unternehmen wieder stärker investieren. Es geht nicht darum, dass die Menschen in Deutschland massenhaft auf der faulen Haut liegen und angebotene Stellen nicht annehmen. Das Problem ist, dass Qualifikationen und Anforderungen der Unternehmen an Bewerber oft nicht zusammenpassen. Wir haben weit über eine Million Langzeitarbeitslose, die Unterstützung brauchen, um überhaupt erst einen Fuß in die Tür zu bekommen. Die Langzeitarbeitslosen sind die Verlierer aller Arbeitsmarktreformen der letzten 15 Jahre gewesen.
Frage: Und die vielen Flüchtlinge sind auch noch nicht fit für den Arbeitsmarkt, oder?
Fratzscher: Jedenfalls der Großteil von ihnen nicht. Viele Flüchtlinge haben nur sehr geringe Qualifikationen, sprechen unsere Sprache noch nicht gut genug. Es besteht deshalb die Gefahr, dass sie zu Langzeitarbeitslosen werden. Die Flüchtlinge sind sicherlich nicht die Lösung für unser Arbeitskräfteproblem, auch wenn sie die eine oder andere Lücke werden füllen können. Positiv für Deutschland ist die starke Zuwanderung aus dem EU-Ausland. Seit 2010 sind jedes Jahr brutto rund eine Million Menschen aus anderen Ländern Europas gekommen, um bei uns zu arbeiten. Darunter sind viele Junge und viele Gutqualifizierte, die zum Teil höhere Beschäftigungsquoten haben als Einheimische.

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