Frau Karlsson, welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
KarlssonDas war ein Thriller von John Grisham „The Whistler“. Ich lese fast ausschließlich auf Englisch. Generell faszinieren mich Justizthriller und das Milieu in Gerichtssälen.
Lilli Karlsson (37) veröffentlicht ihre Bücher nicht unter ihrem echten Namen, sondern unter einem selbstkreierten Pseudonym. Das Debüt „Eine Sahneschnitte für Carla“ erschien 2016. Bisher sind zwei weitere Bände gefolgt; der vierte ist in Planung.
Wie lesen Sie – auf Papier oder digital?
KarlssonIch bin tatsächlich ein Fan des Prints! (lacht) Denn ich mag dieses Haptische und auch den Geruch von Papier. E-Books habe ich natürlich auch schon gelesen. Aber ich habe meine Bücher lieber im Regal stehen.
Wie hat sich durch Smartphone und Tablet Ihr Leseverhalten geändert?
kARLSSONWenn ich im Zug sitze, finde ich es praktisch, online die Leseproben von verschiedenen Büchern bei Kindl oder Tolino nutzen zu können. Das war in dem Umfang zuvor nicht möglich.
Obwohl E-Book-Reader vermeintlich praktischer sind, bleibt der Absatz von Büchern stabil. Woran liegt das?
kARLSSONMit der Frage habe ich mich auch viel beschäftigt. Der Umsatz von E-Books macht von allen verkauften Büchern in Deutschland nur sechs Prozent aus. Ich glaube, dass die Leute einfach gern in einen Buchladen gehen und schmökern. Da herrscht eine Atmosphäre, die online nicht geliefert werden kann. Nach meiner Erfahrung hat die Frage „E-Book oder Buch?“ übrigens nichts mit dem Alter zu tun. Denn ich kenne Senioren, die gerade E-Reader nutzen, weil sie so immer viele Bücher bei sich haben.
Was halten Sie von Self-Publishing-Plattformen, auf denen Autoren ihre Bücher für wenige Euro verkaufen können?
kARLSSONDas ist ein sehr wichtiges Thema! Ich habe aus verschiedenen Gründen auch meinen eigenen Verlag gegründet. Es ist zum einen schwierig, einen Literaturagenten zu finden, der das Produkt an einen Verlag vermittelt. Zum anderen weiß ich von anderen Autoren, dass die Verlage bei Büchern natürlich reinreden. Es werden Namen geändert, Kapitel gestrichen und Handlungsstränge verändert. Das kann seine Berechtigung haben. Aber mein Ziel war es, dass meine Bücher genauso erscheinen, wie ich es wollte. Gerade bei den E-Books ist der Markt nahezu überschwemmt und die Qualität durchwachsen. Dann kosten manche Bücher nur ein bis zwei Euro. Das finde ich schade!
Wie gelingt es, aus der Masse hervorzustechen?
kARLSSON Es gibt – davon habe auch ich profitiert – Newsletter, die von Lesern abonniert werden, die auf günstige E-Books achten. Das kann natürlich toll sein, weil man sehr schnell bekannt werden kann. Meine Bücher werden so zum Beispiel in Belgien und Österreich gelesen. In den Oldenburger Buchläden kann ich eben nur eine begrenzte Anzahl an Lesern erreichen. Andererseits macht man sich so die Preise kaputt. Meinen ersten Roman biete ich als E-Book auch schon lange für 99 Cent an und mir hat wirklich das Herz geblutet, als ich den Preis runtergesetzt habe. Von den 99 Cent bekomme ich 29 Cent und den Rest kriegt Amazon. Es geht mir nicht darum, reich zu werden. Aber ich glaube, dass dieser Umstand den Leuten gar nicht bewusst ist. Um bekannt zu werden, ist dies aber ein üblicher Weg, auch weil viele Leute nicht bereit sind, für einen unbekannten Autor mehr auszugeben.
Wie glauben Sie, werden wir künftig Bücher lesen?
kARLSSONIch persönlich denke, dass der Anteil von E-Books noch steigen wird. Wir werden aber nicht ganz vom Print wegkommen. Die Leute werden weiterhin bereit sein, Geld für Printbücher auszugeben, weil sie deren Qualität zu schätzen wissen.
Welche neuen Projekte stehen bei Ihnen an?
kARLSSONIch bin gerade bei meinem vierten „Carla“-Buch. Das wird von meinen Fans schon sehnsüchtig erwartet! Mein Ziel ist es, dieses vor Ende 2018 zu veröffentlichen. Parallel dazu habe ich schon weitere Buchprojekte angefangen. Ich entwickle gerade einen Krimi, der in meinem Kopf auch schon ziemlich weit ist. Dann habe ich bereits einen weiteren Roman angefangen, der im selben Genre wie „Carla“ spielt.
