Herr Müller, was war für Sie die wichtigste Erkenntnis der Iranreise?
MüllerIch war nun schon zum zweiten Mal hier im Iran. Es hat sich für mich bestätigt, dass sich diese Wirtschaft schon sehr viel mehr geöffnet hat, als wir das von Deutschland aus sehen konnten. Bis wir das aber wirtschaftlich auch nutzen können, werden noch einige Hürden zu nehmen sein.
Was sind die Ihrer Meinung nach?
MüllerDas ist einmal das Thema Hermes-Kreditabsicherung. Das andere ist das Thema Finanzierung durch die deutschen Banken. Da gibt es nach wie vor eine erhebliche Zurückhaltung, weil zwar die Sanktionen der Europäer aufgehoben worden sind, die Sanktionen der Amerikaner aber eben noch nicht. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen, die deutsche Banken bei Geschäften im Dollarraum gemacht haben, sind sie noch sehr zurückhaltend.
Wie sollten sich deutsche Unternehmen auf die Struktur der iranischen Wirtschaft mit hohem Staatsanteil einstellen?
MüllerMan hat das Gefühl, dass die 60 Prozent Staatswirtschaft sich langsam verringert, dass privates Eigentum, privates Unternehmertum immer mehr möglich werden. So richtig durchschaut man das von außen natürlich nicht, aber wir haben einige Unternehmen gesehen, die extrem aufgeräumt und extrem gut strukturiert waren. Daraus auf die gesamte Wirtschaft zu schließen, ist aber schwer.
Klar ist: Der Markt ist riesig. Ich habe aber auch den Eindruck, dass dem Staat zurzeit die Mittel fehlen, zu investieren. Man sucht eher Investoren, die Geld mitbringen, und das ist zum heutigen Zeitpunkt aus meiner Sicht extrem schwierig.
