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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Auch ohne Bling-Bling ein Star

13.08.2019
Frage: Herr Eggestein, diese Bling-Bling-Attitüde einiger Kollegen geht Ihnen ab. Was ist Ihre größte Extravaganz?
Maximilian Eggestein (22): Hmm, gute Frage. Ich gehe ab und zu gern lecker Essen. Zu Hause öfter mal griechisch, in Bremen mediterran – ohne genaue Richtung.
Frage: Markenbildung wird gerade unter jüngeren Spielern ein immer größeres Thema, viele nutzen dazu die sozialen Netzwerke. Warum verzichten Sie auf Instagram und Co.?
Eggestein: Ich habe für mich noch nicht den Moment gehabt, in dem ich sage: Das brauche ich unbedingt. Es kann noch kommen, aber bisher war das nicht der Fall.
Frage: Sie werden stets als bodenständig und freundlich beschrieben. Können Sie auch ein Drecksack sein?
Eggestein: Man muss immer unterscheiden, was auf und neben dem Platz geschieht. Neben dem Platz ist es mir wichtig, mit meinen Mitmenschen vernünftig umzugehen. Auf dem Platz herrscht Wettkampf und dann kann man auch mal etwas dreckiger werden – das kann ich auch.
Frage: Werder hat mit Max Kruse ein Gesicht der Mannschaft verloren. Wie interpretieren Sie Ihre Rolle in der kommenden Saison?
Eggestein: Auf jeden Fall will ich noch mehr Verantwortung übernehmen. Darüber kann man immer viel reden, aber in erster Linie geht das über die Leistung auf dem Platz. Zudem ist sicher ein Aspekt, in dem ich besser werden kann, noch mehr zu kommunizieren und lauter zu werden. Es ist aber auch wichtig, dass man die Verantwortung untereinander teilt.
Frage: Fordert Ihr Trainer Florian Kohfeldt das auch von Ihnen, lauter zu werden?
Eggestein: Er versucht nicht, mich in eine Rolle hineinzuzwingen. Das macht auch keinen Sinn, das muss intuitiv kommen. Aber er hat schon hin und wieder versucht, diesen Prozess auch anzuregen.
Frage: Sie kennen Kohfeldt lange, unter ihm ist der Marktwert des Teams enorm gestiegen. Wie schafft er es, einen Spieler besser zu machen?
Eggestein: Ich glaube, gerade mit jungen Spielern braucht man auch viel Geduld. Wenn ich zum Beispiel meinen Bruder Johannes oder Milot Rashica anschaue, dann haben sie am Anfang nicht so die große Rolle gespielt, sind aber immer im Gespräch mit Flo geblieben. Und haben immer geduldig gearbeitet und sich entwickelt. Und als sie dann ihre Einsätze bekamen, haben sie einen echten Schuss gemacht. Da braucht man einen Trainer, der Vertrauen und Geduld hat – ich glaube, das zeichnet Flo aus.
Frage: Wie wichtig war er bei Ihrer Vertragsverlängerung?
Eggestein: Er war schon ein großer Faktor. Ich spüre bei ihm einfach das Vertrauen und habe gemerkt, dass der Weg, den wir mit Werder unter ihm gehen, einfach gut ist. Was er auch immer vorlebt, ist, dass wir nie zufrieden sein wollen. In meiner Anfangszeit in Bremen hatte man immer das Gefühl, Platz acht sei eigentlich ganz gut für unsere Verhältnisse. Wir haben nicht die Möglichkeiten wie andere Clubs, also ist das in Ordnung. Dieses Gefühl vermittelt er halt gar nicht. Er will immer mehr. Deshalb haben wir auch wieder das Saisonziel Europa ausgegeben. Das finde ich gut und will das weiter vorantreiben.
Frage: Sie haben in Bremen langfristig verlängert. Aber gibt es diesen einen Traumclub, bei dem Sie schwach werden könnten und um eine Freigabe bitten würden?
Eggestein: Den gibt es, aber den werde ich nicht kundtun, weil mir das irgendwann um die Ohren fliegt.
Frage: Ist es wahrscheinlicher, dass Sie es mit Werder nach Europa schaffen oder Ihr Debüt in der Nationalmannschaft feiern?
Eggestein: Das kann ich nicht einschätzen. Natürlich würde ich gern wieder eine Einladung erhalten und dann hoffentlich irgendwann mein Debüt geben – aber dafür muss ich erst einmal meine Leistung bringen.
Frage: Was will Joachim Löw von Ihnen sehen?
Eggestein: Er hat mir ähnliche Dinge gesagt, die ich mir auch selber schon als Ziel gesetzt habe. Dass ich im Verein mehr Verantwortung übernehmen kann und konstant weiterspielen muss. Die Konkurrenz im Mittelfeld ist sehr groß – deswegen muss ich schauen, wie es weitergeht.
Frage: Haben Sie sich eigentlich schon bei Ihren Eltern beschwert?
Eggestein: Wieso?
Frage: Um bei den Olympischen Spielen in Tokio spielen zu dürfen, sind Sie eigentlich ein paar Tage zu alt.
Eggestein: Ich glaube, meine Eltern haben nicht so weit gedacht, dass sie ihre Kinder am Anfang des Jahres kriegen müssen, damit sie bessere Chancen in den Fußballmannschaften haben.
Frage: Haben Sie Tokio schon abgeschrieben? Oder ist es Ihnen egal, weil Sie lieber bei der EM dabei sein wollen?
Eggestein: Abgeschrieben habe ich Tokio nicht, aber ich weiß, dass nur drei Spieler, die vor dem 1. Januar 1997 geboren wurden, mitfahren dürfen. Wenn ich mir etwas aussuchen könnte, wäre ich lieber bei der EM dabei als bei Olympia. Aber wenn es dann doch nach Tokio geht, wäre das auch ein tolles und vor allem einmaliges Erlebnis.
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