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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

„Auch die Erwachsenen leiden immer stärker“

27.02.2018
Frage: Frau Guttormsson, Eltern sollen Vorbild bei der Handynutzung sein. Heißt das, die Geräte auch einfach mal zuhause demonstrativ auszuschalten?
Guttormsson: Richtig abzuschalten, ist natürlich schwierig. Wichtig ist es aber schon, wenn die Erwachsenen zeigen, dass mobile Endgeräte nicht das Wichtigste im Leben sind. Wenn ich mich mit meinem Kind beschäftige, ihm vorlese oder mit ihm spiele, sollte diese gemeinsame Zeit nicht durch das Smartphone unterbrochen oder gestört werden. Also einfach mal die Geräte stummschalten – und vor allem nicht mit an den Esstisch nehmen.
Frage: Meist steht bei dem Thema das Verhalten der Heranwachsenden im Mittelpunkt...
Guttormsson: Mittlerweile ist klar, dass nicht nur die Jugend, sondern auch die Erwachsenen immer stärker darunter leiden, „always on“, zu sein. Aktuelle Ergebnisse der FIM-Studie (Familie, Interaktion und Medien) zeigen, dass es viele Jugendliche, wenn ihre Eltern die Handys nicht aus der Hand legen. Den gesunden Umgang mit den mobilen Kommunikationsgeräten zu lernen, betrifft heute jede Altersgruppe.
Frage: Ab welchem Alter macht es denn Sinn, dass Kinder ein eigenes Handy oder Tablet zur Verfügung haben?
Guttormsson: Das ist total individuell verschieden. Wenn zum Beispiel Kinder einen langen Schulweg alleine zurücklegen müssen, dann ist es verständlich, wenn Eltern ihnen ein Handy mitgeben. Dafür reicht allerdings ein „Knochen“ ohne Internetzugang aus.
Frage: Was ist besser: Auf Surffilter zu vertrauen oder gemeinsam mit den Kindern das Medium zu nutzen?
Guttormsson: Surffilter funktionieren nur zu Hause und lassen sich häufig auch umgehen. Selbst wenn es in der Familie nur ein Tablet für alle gibt, lässt sich nicht alles kontrollieren. Eltern sollten lieber ihre Kinder stärken.
Es gibt im Internet viele für Heranwachsende unangemessene Inhalte. Wenn Kinder darauf vertrauen können, dass sie alles erzählen können und nicht mit ihnen geschimpft wird, ist das ein deutlich besserer Weg.
Frage: Viele verzichten während der Fastenzeit auf Süßigkeiten. Was halten Sie vom digitalen Fasten?
Guttormsson: Beruflich bedingt ist das heute kaum noch möglich. Aber vielleicht einmal in der Freizeit ein paar Abende aufs Candy-Crush-Spielen oder die neue Netflix-Serienfolge zu verzichten, könnte den Blick auf den eigenen Medienkonsum schärfen.
Die Frage, wie wir mit den neuen Kommunikationskanälen und ihren Inhalten umgehen, wird immer wichtiger. Nachrichten und Medien bewusst auszuwählen und kritisch bewerten zu können, muss erst gelernt werden – das ist wie mit der Verkehrserziehung im Kindesalter. Diese Erkenntnis ist nur noch längst nicht bei allen angekommen.
Werner Fademrecht
Hatten
Redaktion Wardenburg
Tel:
04407 9988 2731

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