Insgesamt nimmt die Zahl der Gründungen ab. Wie sieht es bei Oldenburger Hochschulabsolventen aus?
NicolaiWenn wir uns die Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren anschauen, gibt es zumindest in Oldenburg einen klaren Aufwärtstrend. Ein Indikator für uns sind die Gründerstipendien. Die werden nur für hochinnovative Gründungsvorhaben verliehen. Aber Gründung ist auch nicht gleich Gründung. Denn die Statistik wird nicht von Gründungen, die mit neuen Erfindungen einhergehen dominiert. Ich schätze, dass rund 90 Prozent der Gründungen nicht innovativ sind. Unser Gründertypus geht in der Statistik also fast unter.
Welchen Stellenwert haben Unternehmensgründungen bei den Studenten?
NicolaiEs ist nach wie vor eine Minderheit, für die das Unternehmertum der Karriereweg Nummer eins ist. Aber die Gruppe wächst. Heute sind auch die Möglichkeiten der Selbstständigkeit größer. Die gesellschaftliche Offenheit ist gewachsen und auch Phänomene wie „Die Höhle des Löwen“ oder Crowdfunding setzen positive Impulse.
In welchen Disziplinen gibt es die meisten Gründungen?
NicolaiGrundsätzlich ist dem Betriebswirt die Unternehmensgründung näher als dem Pädagogen. Relativ stark vertreten sind auch Informatiker. Die haben den Vorteil, dass sie mit wenig Kapital viele neue Dinge schaffen können – anders als etwa in Bereichen, in denen Maschinen gebraucht werden. Auch Wirtschaftswissenschaftler spielen eine wichtige Rolle, auch wenn sie selbst keine neuen Technologien mitbringen. Immer wichtiger werden Gründungen mit Umweltbezug. Je nachdem, worum es geht, sind dort Physiker, Umweltwissenschaftler oder Biologen stark vertreten.
Welche Rolle spielt das wissenschaftliche Personal der Universität bei Unternehmensgründungen?
NicolaiDer wissenschaftliche Mittelbau ist ein ganz wichtiger Faktor. Es ist nicht leicht, direkt nach dem Studium oder gar während des Studiums zu gründen. Aber wenn es bei den Forschungsprojekten einen Anwendungsbezug gibt, kann es durchaus Gründungen geben. Es ist aber ein großer Sprung von der Wissenschaft zum Unternehmertum. Das sind zwei völlig unterschiedliche Welten.
Immer mehr Unternehmen werden von Migranten gegründet. Schlägt sich dieser Trend auch unter Studenten nieder?
NicolaiTendenziell sehe ich diesen Trend auch. Die Quote von ausländischen oder gemischten Teams steigt. Aber wenn jemand aus Spanien oder Afrika hierher kommt, ist er vielleicht ohnehin eher jemand, der sich auf eine Gründung einlässt. Auf jeden Fall geben Migranten wichtige Impulse für das Gründertum.
Bleiben Studenten, wenn sie denn gründen, in der Region?
NicolaiDer Aspekt, Berufliches und Persönliches miteinander zu verbinden, ist für viele sehr wichtig. Dazu zählt auch die Wahl des Arbeitsortes. Viele Studenten sind der Region sehr verbunden und bleiben deshalb hier. Aber andere zieht es nach der Gründung in die Metropolen.
Reicht es, was an Universitäten für Gründer getan wird?
NicolaiUnterstützt durch Politik und Hochschulleitung hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Aber es ist noch nicht so gut, dass es nicht noch besser sein könnte. Bei der kulturellen Verankerung des Gründertums gibt es noch Luft nach oben. Auch bei der Verflechtung mit bestehenden Marktakteuren sehe ich noch Möglichkeiten.
