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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Interview: Menschen für Klassik gewinnen

16.03.2017
Frage: Herr Firmbach, glauben Sie, dass die klassische Musik ausstirbt?

Firmbach: Nein, ganz im Gegenteil. Schauen Sie zum Beispiel, wie viele Besucher die Elbphilharmonie im Augenblick hat. So wie das Buch nicht ausstirbt und die Schallplatte zurückkommt, wird die klassische Musik immer ihr Publikum haben. Ich glaube sogar, dass die Bedeutung des Analogen immer wichtiger wird. Die Sehnsucht danach, etwas Authentisches zu erleben, wächst. Wir Theaterleute müssen dafür Sorge tragen, dass möglichst viele Menschen in den Genuss der analogen Nische kommen, sprich Theater und Konzertbesuche. Wir müssen die Flamme der Begeisterung an die nächste Generation weitergeben. Deshalb engagieren wir uns auch so sehr auf dem Gebiet des Nachwuchses.

Frage: Aber die junge Generation glaubt, dass Klassik und Oper alt und verstaubt sind...

Firmbach: Bei Oper denken sie oft: Oh Gott, da steht eine dicke Sopranistin und trällert irgendwas auf der Bühne, fürchterlich. Ich glaube, ein wichtiger Schritt ist, dass man die jungen Leute erst mal unter die Zuschauer schubst. Danach sind sie von selbst begeistert. Das habe ich schon oft erfahren.

Frage: Wie muss eine Operninszenierung aussehen, die Jugendliche anspricht?

Firmbach: Sicher nicht, indem wir „Figaros Hochzeit“ mit Jeans, T-Shirt und auf Rollschuhen, mit Piercings und Handys in der Hand spielen. Das finden die eher abturnend und durchschaubar anbiedernd.

Frage: Trotzdem sind Opernhäuser „out“ und Stadien als Konzertort „in“.

Firmbach: Das Stichwort ist Event. Das Klassikkonzert wird zum Event. Wenn eine Legende wie Placido Domingo eine Welttournee mit „Aida“ durch große Stadien macht, ist es cool. Domingo ist ein Star, und ein so bekanntes Stück wie „Aida“ zieht das Publikum an. Wie immer man das künstlerisch finden mag, immerhin macht es unser Metier populär, und vielleicht findet sich der eine oder andere davon bei uns im Zuschauerraum wieder.

Frage: Wie wirkt sich die wachsende Digitalisierung auf den Theaterbetrieb aus?

Firmbach: In erster Linie ändert es die Sehgewohnheiten. Die Geschwindigkeit, mit der man Vorgänge wahrnimmt, hat sich enorm erhöht. Der Rhythmus der Literatur, die wir spielen, fordert bei den jungen Zuschauern eine hohe Konzentration und Geduld. Deswegen untersuchen wir Theaterformen und Erzählweisen, mit denen wir diese Generation erreichen können.

Frage: Welchen Nutzen haben Zuschauer vom Besuch eines Konzerts?

Firmbach: Wenn es uns gelingt, mit dem Besuch des Theaters die Menschen für einen Moment aus ihrem Alltag herauszureißen und sie teilhaben zu lassen an einer Geschichte, egal ob Ballett, klassische Musik, Oper oder Theater. Wenn es uns gelingt, sie emotional zu erreichen, dann haben wir unsere Aufgabe gut gemacht.

Frage: Was macht für Sie persönlich den Reiz der klassischen Musik aus?

Firmbach: Wenn mich nicht jedes Mal wieder die Gänsehaut erreichen würde und die Faszination einer Stimme, des Orchesters und der Musik, dann müsste ich mit diesem Job aufhören. Das ist eine Leidenschaft, die zum Beruf wurde. Es ist ein großes Privileg, sich Programme auszudenken, um für andere Menschen Musik und Literatur lebendig werden zu lassen. Und dafür Sorge zu tragen, Musik für sie erlebbar zu machen.

Frage: Was tut Ihr Theater für die Jüngeren?

Firmbach: Wir haben seit drei Spielzeiten mit Thomas Honickel einen Konzertpädagogen engagiert. Er ist Dirigent und Moderator und hat sehr viel Erfahrung. Er leitet auch den Klangheldenchor und gestaltet pro Jahr vier Kinder- und vier Familienkonzerte, die alle ausverkauft sind. Sie sind so gestrickt, dass sie humorvoll, leicht und charmant die Ängste vor der klassischen Musik nehmen. In der Klangwerkstatt hören die Kinder einer Orchesterprobe zu. Hinterher dürfen sie die Instrumente ausprobieren. Es gibt auch weitere Reihen, wie „Kinder im Orchester“.

Frage: Kommt die Generation 60 Plus von allein?

Firmbach: Die Generation 60 Plus ist immer da. Die Leute werden immer älter, sind sehr fit, haben Zeit und Geld, die wollen dann auch eine Aufgabe. Deswegen haben wir auch Theaterclubs für ältere Menschen. Neu sind die Werkstattkonzerte, wo wir mit dem Orchester musikalische Sachverhalte auf anspruchsvollem Niveau erläutern. Auch die Mitsingkonzerte sind etwas ganz Einzigartiges. Da sind nur die Solisten und ein Flügel auf der Bühne. Das Publikum wird mit einbezogen und singt gemeinsam mit seinen Solisten. Ein riesiger Erfolg! Wenn alle in gedämpftem Licht „Oh du Fröhliche“ anstimmen, ist das sehr beglückend.

Anna Lisa Oehlmann Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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