Die Welt ist aus den Fugen geraten: Brexit, US-Präsident Donald Trump, Ärger mit der Türkei und dann sind da immer noch die beiderseitigen Sanktionen mit Russland. Wie bekommt das der deutschen Außenwirtschaft?
BörnerDas ist ein Gebräu was wir sicherlich nicht gebrauchen können. Wir benötigen Freihandel und dafür sind Stabilität, geordnete politische und wirtschaftliche Verhältnisse in der Welt die Voraussetzung. Die Frage ist derzeit: Wie weit wird die Lage eskalieren, oder erleben wir nur verbalen Theaterdonner?
Wie haben sich die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Großbritannien seit der Abstimmung zum Brexit entwickelt?
BörnerNatürlich war der Brexit ein Schock für uns. Und wir sehen auch bereits Auswirkungen, allein schon wegen des Wechselkurses. Wuchsen unsere Exporte ins Vereinigte Königreich (UK) 2015 noch um 12,4 Prozent, sanken sie 2016 dann aber um 3,3 Prozent. Einige deutsche Unternehmen im Handel hat es hart getroffen, da die Margen in diesem Geschäft traditionell klein sind.
Erwarten Sie einen harten Brexit oder weiter möglichst enge Verbindungen zwischen der EU und UK?
BörnerAuch in die BrexitVerhandlungen wird man mit Maximalforderungen gehen und im letzten Moment einen Kompromiss, der beide Seiten einigermaßen zufriedenstellt, finden. Ich gehe nicht von einem harten Brexit aus, der jahrzehntelange gute Geschäftsbeziehungen zwischen den Unternehmen zerstören würde. Gleichzeitig hat die EU nichts zu verschenken. Wir müssen alles tun, um den europäischen Binnenmarkt zu erhalten. Eine Gleichbehandlung des Vereinigten Königreichs kann es damit also auch nicht geben.
Wie wird es weitergehen mit der EU?
BörnerDie Niederländer haben für Europa gestimmt, das hat der europäischen Idee Auftrieb gegeben. Entscheidend ist aber, wie die Franzosen wählen werden. Ich erwarte, dass der wirtschaftsliberale und europafreundliche Emmanuel Macron neuer französischer Präsident werden wird. Damit wäre Europa gerettet. Im Herbst steht in Deutschland die Bundestagswahl an – da ist mir aber um Europa nicht bange.
Sollte aber wider Erwarten in Frankreich Marine Le Pen die Wahl gewinnen?
BörnerDann hätten wir in Europa Trump hoch zwei.
Spüren deutsche Unternehmer bereits die neue von Trump avisierte US-Wirtschaftspolitik?
BörnerNatürlich sind die Unternehmen nicht ohne Sorge. So erreichen uns einzelne Rückmeldungen, dass die US-Einwanderungsbehörden restriktiver vorgehen. Es gibt Fälle, in denen Firmen mit Niederlassungen in den USA für dort tätige Nicht-US-Mitarbeiter keine Dauervisa mehr bekommen haben. Das sind Eingriffe in unternehmerische Freiheiten, die schon zu denken geben.
Die wirtschaftspolitischen Ankündigungen eines Donald Trump sind also ernst zu nehmen?
BörnerIch nehme sie sehr ernst. Und es gehört zu den wichtigen Aufgaben der großen und einflussreichen Länder auf dieser Welt, die auf den freien Handel setzen, Präsident Trump die Folgen von Protektionismus klar aufzuzeigen. Schließlich werden vor allem die USA selbst davon getroffen und Trump wird zum großen Verlierer im Welthandel abgestempelt. Protektionistische Maßnahmen werden auch und gerade das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft empfindlich treffen, denn die USA sind – nach China – der zweitgrößte Exporteur weltweit.
