Gefühlt nehmen immer mehr Menschen immer mehr Medikamente. Was sagen denn die Zahlen?
Schmidt-BodensteinIm Land Bremen waren im vergangenen Jahr 570 375 Menschen bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert. Jeder dieser Versicherten erhielt Medikamente im Wert von durchschnittlich 645 Euro verschrieben. Die Gesamtsumme lag bei rund 368 Millionen Euro. Rein rechnerisch wurden im kleinsten Bundesland also jeden Tag Medikamente im Wert von rund 1 Million Euro verordnet. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Bremer Pro-Kopf-Ausgaben um 4,8 Prozent gestiegen.
Ist das allein ein Bremer Phänomen?
Schmidt-BodensteinDer Bundesdurchschnitt lag bei 584 Euro pro Kopf. Auch hier haben sich die Ausgaben erhöht und zwar um 4,2 Prozent. Damit liegt das Land Bremen weit über dem bundesweiten Schnitt. Den höchsten Anstieg bei den Arzneimittelausgaben im Vergleich der Stadtstaaten verzeichnete Hamburg mit 747 Euro.
Welche Medikamente werden am häufigsten verschrieben?
Schmidt-BodensteinZu den umsatzstärksten Mitteln zählten Arzneimittel mit den Wirkstoffen gegen bakterielle Infekte (Antibiotika), gefolgt von Mitteln zur Krebsbehandlung und antithrombotische Mittel bei Herzinfarkt- und Thromboserisiken.
Ist das Ansteigen der Ausgaben unaufhaltbar?
Schmidt-BodensteinDie ungebremst steigenden Ausgaben für Arzneimittel zeigen, dass weitere Reformen bei der Arzneimittelpolitik nötig sind. Die durch das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) erwarteten jährlichen Einsparungen von bundesweit etwa 1,9 Milliarden Euro konnten bisher nicht annähernd erreicht werden. Das Problem ist, dass im ersten Jahr nach der Markteinführung eines Medikaments, der Zusatznutzen für einen neuen Wirkstoff im AMNOG-Prozess geprüft wird. In diesen zwölf Monaten können die Pharmahersteller die Preise frei festlegen. Das hat dazu geführt, dass regelrechte Mondpreise verlangt werden.
Sönke Schmidt-Bodenstein ist Leiter der Landesvertretung Bremen der Techniker Krankenkasse. Im Interview spricht Schmidt-Bodenstein über ausufernde Kosten bei der Verschreibung von Medikamenten.
