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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Musik: Nur Kumpel zuliebe mitgesungen

16.07.2018
Frage: Herr Meyer, Sie sind einer der bekanntesten deutschen Musicaldarsteller. Wie sind Sie dazu gekommen?

Meyer: Ich habe mich eigentlich nie für Musicals interessiert; ich fand das ganze Gesinge peinlich und uncool. Als dann bei uns an der Schule ein Musical aufgeführt werden sollte, war klar, dass ich natürlich nicht mitmachen würde. Allerdings wollte mein bester Kumpel unbedingt dabei sein, weil ein Mädchen mitmachte, das er toll fand – und da er nicht allein hingehen wollte, musste ich eben auch mit.

Frage: Sie haben sich wirklich überwunden?

Meyer: Ich habe mich hingeschleppt, saß schlecht gelaunt in der Ecke und habe miese Stimmung verbreitet. Aber je länger ich dabei war, desto mehr bekam ich richtig Spaß an der Sache. Schließlich war ich so begeistert davon, dass ich im nächsten Jahr wieder teilgenommen habe – und echt darüber nachgedacht habe, Musicaldarsteller zu werden.

Frage: Sie haben dann tatsächlich eine Musical-Ausbildung begonnen.

Meyer: Ja, ich bin direkt nach dem Abitur an der „Stage School“ in Hamburg aufgenommen worden. Ich bin da hin und dachte: Höhö, ich hatte ja die Hauptrolle in unserem Schulmusical, ich singe und spiele euch alle an die Wand. (Lacht) Das war dann leider nicht ganz so. Meine Mitschüler waren sehr gut – und der Unterricht deutlich anstrengender, als ich mir das vorgestellt hatte.

Frage: Hatten Sie einen Karriereplan?

Meyer: Gar nicht. Ich habe nach der Schule einfach alles angenommen, was ich bekommen habe – das war eh nicht viel. Eher so die Rollen „Ersatz-Ensemblemitglied ganz hinten links“ oder „Fünfter Chor-Sänger von rechts, kein Text“. Eben so Sachen, bei denen man zwar auf der Bühne steht und seinen Job macht, aber von denen man kaum leben kann. Das hat mir insofern geholfen, als dass man bei solchen Sachen viel lernt – und es hat sich dann glücklicherweise entwickelt: Irgendwann kriegte ich auch Rollen bei größeren Produktionen, wie bei der „Phantom der Oper“-Fortsetzung hier in Hamburg.

Frage: Mit dem Stück hatten Sie Ihren Durchbruch: Da haben Sie das „Phantom“ gespielt, mit gerade mal 33 Jahren.

Meyer: Ich habe zwar für die Rolle vorgesungen, aber überhaupt nicht damit gerechnet, dass ich sie auch kriegen würde, ich war ja viel zu jung dafür. Als der Anruf kam, dass sie mich gern als „Phantom“-Cover haben wollten, habe ich es erst nicht geglaubt. Dann habe ich es doch irgendwann begriffen und diverse Menschen in meinem Adressbuch angerufen und es ihnen erzählt – ob sie es wissen wollten oder nicht. Vor meiner „Phantom“-Premiere war ich wahnsinnig nervös.

Frage: Hat alles geklappt?

Meyer: Ja, ich bin weder gegen die Kulissen gelaufen noch in den Orchestergraben gefallen. Die ganzen Pannen kamen erst in den späteren Shows: Ich habe etwa eine ergreifende Szene gespielt, saß dramatisch guckend und gestikulierend am Bühnenrand – und, ratsch, ist mir die Hose gerissen. Direkt im Schritt. Ich konnte aber ja nicht sagen: „So, Leute, ich lasse mir das schnell nähen, gebt mir fünf Minuten“, sondern musste weitermachen. Und ausgerechnet bei der Show war auch noch meine Familie im Publikum . . .

Frage: Apropos Familie: Wie oft sehen Sie Ihre noch?

Meyer: Das „Phantom“ hat mir beruflich sehr weitergeholfen, danach habe ich einige schöne Engagements bekommen – da ich immer dahin ziehen muss, wo die Shows stattfinden, lebe ich dann ein paar Monate in anderen Städten und bin nur noch selten zu Hause in Hamburg und in der Nähe meiner Familie und meiner Freunde. Aber ich habe trotzdem ein sehr enges Verhältnis zu ihnen; wir haben ein paar Tricks entwickelt, um in Kontakt zu bleiben.

Frage: Was für Tricks?

Meyer: Wir gehen beispielsweise per Telefon spazieren. Ich gehe dann mit meinem Handy an meinem Ort spazieren, meine Freunde mit ihrem Handy an ihrem Ort, und dann telefonieren wir per Video. Das ist so, als ob wir zusammen unterwegs wären – zumindest fast. Und wir schicken uns immer wieder Fotos von ganz alltäglichen Dingen. Ich habe sogar mal einen kompletten Supermarkt-Einkauf durchfotografiert.

Frage: Wie bitte?

Meyer: Ich weiß, das klingt komisch. Ist es vermutlich auch – das dachten zumindest all die Leute, die hinter mir in der Supermarkt-Schlange standen und überlegt haben, aus welcher psychiatrischen Anstalt ich entlaufen bin. Aber nur wenn man auch so etwas teilt, teilt man seinen Alltag miteinander und bleibt sich nahe.

Frage: Sie haben ja sehr begeisterte Fans.

Meyer: Ach, es gibt immer mal wieder einige Menschen, die nach den Vorstellungen auf mich zukommen und ein Autogramm möchten oder ein Foto mit mir. Das freut mich natürlich, weil es bedeutet, dass jemand es mag, wie ich meinen Job mache. Aber es ist jetzt nicht so, dass ich mich regelmäßig durch wild gewordene kreischende Menschenmassen schieben muss.

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