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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Vom Fischer und seinen Frauen

19.01.2019
Frage: Hallo Herr Fischer!
Tim Fischer: Hallo. Ich bin gerade auf Gran Canaria – auftauen nach der Wintertournee. Hier sind es 20 Grad.
Frage: Und danach geht es weiter?
Tim Fischer: Klar. Ich bin lebenslänglich auf Tournee.
Frage: Ohne Auszeit?
Tim Fischer: Eine Auszeit ist momentan nur in kleinen Dosen möglich. Wenn man selbstständig ist, kann man nicht sagen „Das wird mir jetzt alles zuviel“, vor allem nicht, wenn man auf einer Erfolgswelle reitet. Ich habe gerade wieder für „Babylon Berlin“ gedreht und hierfür mit Oliver Potratz einen Song geschrieben. Dann spiele ich auch in dem Kinofilm „Lindenberg“ über das Leben von Udo Lindenberg mit. Zudem erarbeite ich momentan ein neues Programm zum dreißigsten Bühnenjubiläum, mit dem ich ab Herbst auf Tour bin. Ich bin also momentan ziemlich am Rotieren, was mir aber große Freude bereitet. Man muss die Feste eben feiern, wie sie fallen.
Frage: Ein Erfolg, den Sie sich hart erarbeiten mussten?
Tim Fischer: Selbstverständlich. Wenn man sich dafür entscheidet, alles auf eine Karte zu setzen, muss man kräftig in die Pedale treten. Aber das macht mir nichts, mein Beruf ist meine Passion. Auch, wenn ich im Laufe meiner Karriere ziemlich viele Tiefschläge einstecken musste.
Frage: Ihre Kindheit war ja auch nicht so einfach. Als Junge, der lieber Jungs mag...
Tim Fischer: Eigentlich mag ich Frauen viel lieber. Sie sind meist inspirierender und feinfühliger, auch im Umgang mit Homosexuellen. Ich sah anders aus als die anderen Jungs, wollte mir die Haare nicht schneiden lassen, war ein zartes Bübchen, das lieber gestrickt hat, als Fußball zu spielen. Ich habe von der Gesellschaft schon sehr zu spüren bekommen, dass ich nicht in eine ihrer Schubladen passe. Diese fehlende Akzeptanz gab es damals und gibt es leider noch heute. Dabei ist das Leben doch vielseitig und bunt viel spannender.
Frage: Haben diese Schwierigkeiten geholfen, zu der schillernden Persönlichkeit zu werden, die Sie heute sind?

Heimspiel für Tim Fischer in Oldenburg

Geboren wurde Tim Fischer 1973 in Delmenhorst, aufgewachsen in Hude wechselte er auf die Oldenburger Waldorfschule. In der Huntestadt hatte er mit 15 Jahren seinen ersten großen Auftritt. Als 17-Jähriger ging er nach Hamburg, arbeitete im Schmidt-Theater und fing an, seine Karriere als Chansonnier aufzubauen. 1992 zog es ihn nach Berlin, wo er heute mit seinem kubanischen Mann lebt.

Erfolge feierte der Sänger mit verschiedenen Chanson-Programmen, mit Songs von Rainer Werner Fassbinder, Wolf Wondratschek, Hans Magnus Enzensberger, Bertolt Brecht, Kurt Weill, Hildegard Knef oder einer Georg Kreisler-Hommage. Er produzierte CDs, war in zahlreichen Talkshows zu Gast, erhielt den den Deutschen Kleinkunstpreis, spielte am Theater und in verschiedenen Fernseh- und Kinoproduktionen, wie „Herr Lehmann“ und „Babylon Berlin“ mit. Privat engagierte er sich für ein Hilfsprojekt für Aidskranke in Afrika.

Als Kind erlebt Tim Fischer, wie es ist, wenn man nicht in gängige Schubladen passt. Im Grundschulalter entdeckt er seine Liebe zum Chanson. Mit 17 bricht er erst die Schule, dann die Schauspielausbildung ab. In Interviews spricht er später über seine damalige Zeit als Stricher.

In Oldenburg ist Tim Fischer am Donnerstag, 7. Februar, um 20 Uhr, mit seinem aktuellen Programm „Die alten schönen Lieder“ in der Kulturetage, Bahnhofstraße 11, zu erleben. Karten gibt es ab 34,50 Euro unter Telefon  924800 und online über:

www.timfischer.de

https://kulturetage.reservix.de/events

Tim Fischer: Der Mensch lebt ja von innen nach außen und von außen nach innen. Das Chanson hat mir glücklicherweise schon sehr früh klargemacht, dass ich nicht der einzige Außenseiter auf der Welt bin. Hätte ich die Lieder von Marlene Dietrich, Zarah Leander und Edith Piaf nicht gehabt, wäre ich eingegangen. Die Sehnsucht, die in diesen Songs mitschwingt, hat mir geholfen, mit meiner eigenen fertig zu werden und mich mitteilen zu können. Aber mein Beruf ist auch an Erfolge geknüpft. Und am ehesten hat man Erfolg, wenn man quadratisch-praktisch ist und kein Sonderling.
Frage: Sind Sie ein Sonderling?
Tim Fischer: Aus meiner Sicht nicht. Wenn man älter wird, lernt man seine eigenen Bedürfnisse besser kennen, stellt fest, dass man nicht tausend Freunde braucht, sondern drei wirklich gute. Man akzeptiert die Einsamkeit und schert sich nicht mehr darum, was die Leute über einen denken.
Frage: Gar nicht mehr?
Tim Fischer: Nun ja, ich habe meinen Beruf auch gewählt, weil ich Anerkennung und Bestätigung suchte. Aber die sind nicht mehr so ausschlaggebend für mich wie früher.
Frage: Worauf könnten Sie nicht verzichten?
Tim Fischer: Auf Liebe.
Frage: Was verbindet Sie mit Oldenburg?
Tim Fischer: Ich komme sehr gerne her. Ich bin ja hier aufgewachsen, erinnere mich an meine Zeit auf der Waldorfschule, an die ersten Auftritte beim Stadtfest und liebe den Schlossgarten mit seinen Rhododendren. Außerdem habe ich Freunde in Oldenburg. Einer von ihnen ist Wilke, der auf dem Pferdemarkt Kartoffeln und Eier verkauft und von allen der „Spargelprinz“ genannt wird. Er hat mich vor zwei Tagen eingeladen, ihn in Oldenburg zu besuchen. Mal sehen, ob das klappt.
Frage: Im März werden Sie 46. Sind die Zeiten von Sex, Drugs and Rock’n’Roll vorbei?
Tim Fischer: Im Gegenteil Das Leben ist endlich. Das Geheimnis besteht für mich darin, den richtigen Spagat zu machen. Früher hatte ich nicht vor, alt zu werden. Jetzt hänge ich am Leben. Wenn einem etwas wichtig ist, wie eine Partnerschaft, dann verändert sich die Perspektive. Aber kleine Exzesse dürfen sein. Ich muss keine 100 werden.
Frage: Und wie lange wollen Sie auf der Bühne bleiben?
Tim Fischer: Solange ich etwas zu sagen habe.
Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2106
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