Herr Kullik, wenn plötzlich auf einem Autobahn-Rastplatz ein totes Baby gefunden wird, bedeutet das auch für die Menschen, die mit dem Fall konfrontiert sind, eine große Belastung. Was ist in solchen und ähnlichen Situationen die Aufgabe eines Polizeiseelsorgers? Womit müssen Sie rechnen?
KullikNun haben Polizeibeamte ja nahezu täglich mit schlimmen Situationen zu tun und in der Regel wird das sehr diszipliniert und professionell aufgearbeitet. Den Beamten gelingt es oft, die belastenden Einzelheiten auszublenden – und die Arbeit, die vor Ort zu tun ist, schützt sie auch vor zu großer emotionaler Belastung. Später, beispielsweise in einer Entspannungsphase, kann es durchaus schwierig werden.
Was macht ein Seelsorger dann in solchen Situationen?
KullikIch spreche mit den Betroffenen und helfe ihnen, Worte zu finden für das, was sie erlebt haben und bemühe mich, sie bei der Stressbewältigung nach belastenden Einsätzen zu unterstützen. Dabei gehen wir Seelsorger ganz behutsam und vorsichtig vor. Manchmal ist das verbale Benennen der Belastungen gar nicht gefragt, sondern es reicht, dass der Seelsorger einfach nur dabei ist. Da geht es dann darum, die Sprachlosigkeit gemeinsam auszuhalten.
Wie kommt der Kontakt zum Seelsorger zustande?
KullikGanz unterschiedlich. Manchmal meldet sich der Betroffene selbst, manchmal geben Kollegen oder Vorgesetzte entsprechende Hinweise.
Wenn normale Menschen in eine solche Situation geraten – welchen Rat gibt es da?
KullikAuf keinen Fall versuchen, die Belastung alleine durchzustehen, sondern das soziale System aktivieren. Das heißt, mit vertrauten Menschen sprechen, die eine Hilfe sein können – oder andere Dinge tun, die einem gut tun.
Axel Kullik (51) ist seit 2011 Pfarrer im kirchlichen Dienst für Polizei und Zoll im Oldenburger Land und Ostfriesland. Vorher war er 18 Jahre Gemeindepfarrer in Schortens (Landkreis Friesland) und war dort am Aufbau der Notfall-Seelsorge beteiligt.
