Sie befassen sich mit dem Thema Nachbarschaft. Worum geht es Ihnen dabei?

NeidhardtIn dem Vortrag geht es uns um die verschiedenen Konfliktfelder, wie z.B. Lärm, Grillen, Grenzabstände. Diese bergen ein hohes Konfliktpotential. Nachbarschaft kann eine sensible Sache sein. Leider gibt es kein einheitliches Gesetzbuch zum Nachbarrecht. Vielmehr existieren zahlreiche Vorschriften über Rechte und Pflichten der Nachbarn, die in den unterschiedlichsten Gesetzen geregelt sind. Dazu kommt eine Vielzahl von Gerichtsurteilen, die auch in ähnlichen Fällen zudem voneinander abweichen können.

In welchem Bereich liegen Ihrer Erfahrung nach die meisten Konfliktmöglichkeiten?

Hegeler-LüttgauDen typischen Fall gibt es nicht. Ein Beispiel: beim Fußballtraining flogen ständig Bälle in den Nachbargarten. Die Spieler holten sich die Bälle zurück, ohne Einwilligung der Eigentümerin spazierten sie in den Garten. Der Konflikt lag auf der Hand: die Jungs wollten trainieren, die Eigentümerin wollte nicht gestört werden. In der Mediation konnten die unterschiedlichen Bedürfnisse benannt werden. Die Mannschaft schießt jetzt auf das dem Garten gegenüberliegende Tor, sollten trotzdem Bälle im Garten landen, werden sie künftig nach dem Training gebündelt eingesammelt. Oft geht es auch um Lärm und Feierlichkeiten bis in die Nacht. Klassisch ist auch der Kinderwagen, der im Hausflur im Wege steht.

Was raten Sie den Betroffenen?

Hegeler-LüttgauGanz wichtig ist, dass man miteinander redet, bevor die Fronten verhärten. Seit dem 1. Januar 2010 ist eine Streitschlichtung in Nachbarschaftssachen Pflicht, bevor man vor Gericht klagen darf.

Wie gehen Sie bei der Beratung vor?

NeidhardtZunächst sprechen wir mit der Partei, die sich an uns gewandt hat. Dann versuchen wir, die Gegenseite ins Boot zu holen. Im besten Fall sitzen dann beide Seiten an einem Tisch. Nicht jede Vermittlung führt zum gewünschten Erfolg – ein Großteil kann aber zu einem guten Ende geführt werden.

Sabine Hegeler-Lüttgau (links) und Brigitte Neidhardt sind Mediatorinnen und Juristinnen bei „Konsens“ in Oldenburg. Am Mittwoch, 23. Januar, halten sie um 19.30 Uhr einen öffentlichen Vortrag im Oberlandesgericht Oldenburg.