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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Für eine ein bisschen heilere Welt

22.09.2018
Frage: Herr Pester , was ist Ihnen als letztes kaputt gegangen?
Barthel Pester: Ein Staubsauger.
Frage: Und wer hat den reparieret?
Barthel Pester: Das war ein uraltes Ding. Im Laden haben die mich damit weggeschickt. Ich hab’ ihn dann ins Repair Café gebracht. Aber da konnte ihn auch keiner retten.
Frage: Dann haben Sie in weggeworfen?
Barthel Pester: Zum AWB gebracht. Aber ich gehe mit meinen Sachen zum Schuster, in die Änderungsschneiderei oder zur Wäscherei, wenn Flecken nicht mehr rausgehen.
Frage: Lohnt sich reparieren denn?
Barthel Pester: Wenn man keine Billigsachen kauft. Klar.
Frage: Leben wir in einer Wegwerfgesellschaft?
Barthel Pester: Leider. Diese Mentalität wird durch Niedrigpreise natürlich geschürt. Ich persönlich mache das nicht mit. Ich gehe auch nicht in große Möbelhäuser. Allerdings ist das Credo „was Teures hält länger“ mittlerweile überholt. Das war früher mal so.
Frage: Werden die Sachen absichtlich so gebaut, dass sie schnell kaputt gehen?
Barthel Pester: Logisch. Ich könnte mein Handy nicht mehr selbst auseinanderbauen. In Werkstätten wird eine spezielle Software für bestimmte Waschmaschinenmarken benötigt, es werden Lizenzverträge abgeschlossen, um Ersatzteile zu bekommen. Das macht es kleinen Betrieben so schwer. Da werden von der Industrie einfach höhere Stückzahlen produziert – und die dürfen dann schneller kaputt gehen. Eigentlich ist hier der Gesetzgeber gefragt.
Frage: Oder ein digitaler Reparaturkompass.
Barthel Pester: Auch. Das Projekt ist eine Folge von 20 bis 25 Jahren Nachdenken. Es gibt generell immer weniger Reparaturbetriebe. Ich war neulich bei der Handwerkskammer und habe um eine Auflistung gebeten – dort hat man mich zur Innung geschickt. Ich gehe nun selbst aufmerksam durch die Stadt und mache kleine Läden aus, die sich zum Beispiel auf das Reparieren von Waschmaschinen spezialisiert haben oder Fernseher und Radios heile machen. Die meisten haben keine Homepage – nicht mal eine E-Mail Adresse.
Frage: Wer profitiert von dem Reparaturkompass, die Betriebe oder die Kunden?
Barthel Pester: Das ist eine klare Win-win-Situation. Letztlich ist der Internet-Kompass eine Art hochwertiges Telefonbuch.
Frage: Ist das ganze Projekt keine Konkurrenz zu den Repair Cafés?
Barthel Pester: Quatsch. Die Repair Cafés sind eine andere Sache. Ich kann im Laden nicht alles repariert bekommen – aber vielleicht gibt es irgendwo einen passionierten Fummler, der sich der Sache annimmt.
Frage: Wo geht die Reise hin?
Barthel Pester: Wir müssen uns unabhängig von der Industrie machen, wir brauchen wieder genug Betriebe, die alles reparieren können.
Frage: Ist das nicht etwas utopisch?
Barthel Pester: Nicht, wenn wir umdenken. Wir brauchen wieder Fachleute und Handwerker. Dafür müssen wir an den Schulen ansetzen. Wir brauchen Bildung für nachhaltige Entwicklung – eine Generation, die wieder handwerkliches Geschick hat. Ich kann mir noch nicht mal meine Socken stopfen.
Frage: Und wer übernimmt das für Sie?
Barthel Pester: Meine Kinder. Die können das nämlich.
Lea Bernsmann
Redakteurin
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2106

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