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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Die bunte Landschaft des Crowdinvesting

04.09.2014
Frage: Frau Dr. Hölzner, Sie haben sich in einer Studie mit dem Thema „Crowdinvesting“ befasst. Wie genau funktioniert das?
Hölzner: Crowdinvesting ist eine neue Finanzierungsform für innovative Unternehmensgründungen. Anstatt eines großen Investors beteiligen sich viele Klein- und Kleinstinvestoren, die „Crowd“, an den Unternehmen. Die Landschaft der finanzierten Vorhaben ist bunt und reicht von Softwarefirmen über E-Helikopter bis hin zu Kinofilmen. Vermittelt wird das Kapital durch webbasierte Plattformen. Hier finden kapitalsuchende Unternehmen und die Crowdinvestoren zueinander. Je nach Plattform geschieht die Beteiligung in Form von stillen Beteiligungen, Genussrechten oder Darlehen mit Erfolgsbeteiligung. Der Investor ist an Wachstum und Gewinn, aber auch am unternehmerischen Risiko beteiligt.
Frage: Wie ist Crowdinvesting entstanden?
Hölzner: Ursprünglich kommt diese Form der Kapitalanlage aus den Vereinigten Staaten. Seit Juni 2011 gibt es auch Plattformen in Deutschland. Zu den bekanntesten zählen „Innovestment“, „Companisto“ und „Seedmatch“. Hervorgegangen ist das Crowdinvesting aus dem Crowdfunding, es wird auch als „equity-based crowdfunding“ bezeichnet.

Gute Karten für Existenzgründer

Dr. Heike Hölzner (34) ist Geschäftsführerin des An-Instituts EFNW.

Das An-Institut EFNW ist eine der drei tragenden Säulen der Gründerinnen- und Gründeruniversität, für das die Universität Oldenburg 2011 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie im Rahmen des „Exist IV-Programms“ ausgezeichnet wurde.

Frage: Worin liegt der Unterschied zum Crowdfunding?
Hölzner: Der Unterschied besteht im Wesentlichen darin, dass der Kapitalgeber beim Crowdfunding keine Unternehmensanteile als Gegenleistung erhält, sondern häufig eine Sachleistung. Das kann zum Beispiel eine Probe des Produktes, ein Vorkaufsrecht oder auch ein persönliches Treffen mit den Initiatoren sein. Manchmal steht aber auch einfach nur der gute Zweck im Vordergrund. Der Gedanke des Crowdfunding im engeren Sinne ist also eher mit einer Spende oder einem Sponsoring und keiner Beteiligung zu vergleichen.
Frage: Wie sind die Renditeerwartungen beim Crowdinvesting?
Hölzner: Wir haben bei unserer aktuellen Studie festgestellt, dass entgegen vieler Meinungen die meisten Kapitalgeber realistisch sowohl bei der Einschätzung des Risikos, als auch der Rendite bleiben. Über 70 Prozent der von uns befragten Crowdinvestoren schätzen die erzielbare Rendite auf 20 Prozent oder weniger ein. Das ist in etwa vergleichbar mit den Schätzungen von sogenannten Business Angels, also Privatinvestoren mit Expertenwissen in der Frühfinanzierung und Unterstützung von Existenzgründungen.
Frage: Wie schätzen Sie die Zukunftschancen für das Crowdinvesting ein?
Hölzner: Obwohl der Markt seit 2011 monatlich um circa acht Prozent wächst, ist der Anteil am gesamten Risikokapitalmarkt relativ klein. In Deutschland betrug er 2013 circa drei Prozent. Da ist also noch Luft nach oben. Die langfristige Entwicklung hängt sicher am stärksten von den Erfolgen der bisher finanzierten Startups ab. Um hier eine faire Bewertung zur Attraktivität des Crowdinvesting als Anlageform vornehmen zu können, müssen wir aber noch ein wenig warten. Bei einer durchschnittlichen Haltedauer von drei bis fünf Jahren werden erst ab 2016 vermehrt Beteiligungsverträge auslaufen. Allerdings werden auch die politischen Rahmenbedingungen den Markt in den kommenden Jahren verändern. Derzeit herrscht eine rege Diskussion um Anlegerschutz auf der einen und mehr Finanzierungschancen für Startups auf der anderen Seite. Eine mögliche Regulierung des Marktes bereitet vielen Crowdinvestingplattformen Sorge. Noch ist das Ergebnis allerdings offen, und richtig eingesetzt kann Regulierung, verbunden mit geschickter Förderung von Crowdinvestings, durchaus zur weiteren Etablierung dieser Finanzierungsform beitragen.
Frage: Wie charakterisieren Sie den typischen Crowdinvestor?
Hölzner: Wir konnten fünf verschiedene Typen charakterisieren. Den „Spaßinvestor“ treibt die Freude an Innovationen an, der „Produkt-Jünger“ investiert in wenige ausgewählte Startups, von deren Produkten oder Dienstleistungen er überzeugt ist. Die „Friends & Family-Investoren“ identifizieren sich mit dem Gründungsteam, dem sie durch eine vergleichsweise hohe Anschubfinanzierung unter die Arme greifen. Sie erwarten keine hohe, aber doch eine positive Rendite. Im Gegensatz dazu stehen der „Rendite-Investor“, der Beträge ab 250 Euro investiert und der „Crowd Angel“, dessen durchschnittliche Investitionshöhe bei 5000 Euro liegt, und der sich noch stärker unterstützend mit den Startups auseinandersetzt. Beide Gruppen investieren mit dem Ziel, eine überdurchschnittliche Rendite zu erwirtschaften und wachsen derzeit am stärksten.
Frage: Wo können sich Unternehmensgründer Hilfe holen?
Hölzner: Die Universität Oldenburg hat das Thema Gründungsförderung in den vergangenen Jahren sehr gefördert und ist dafür auch durch das Bundesministerium für Wirtschaft ausgezeichnet worden. Es gibt gleich drei Einrichtungen, bei denen angehende Existenzgründer Coaching und Unterstützung bei der Geschäftsmodellentwicklung und Kapitalbeschaffung erhalten können: das Gründung- und Innovationszentrum, der Lehrstuhl für Existenzgründer von Prof. Dr. Alexander Nicolai und unser An-Institut EFNW.

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