Ministerpräsident Alexis Tsipras hat ein Referendum über das Angebot der Gläubiger angekündigt und die Ablehnung empfohlen. Wie bewerten Sie das?

RöttgenDas Verhalten des griechischen Ministerpräsidenten und seiner Regierung ist feige, weil es in der Stunde der Not Griechenlands eine Flucht aus der Verantwortung bedeutet. Herr Tsipras hat eine Meinung, ist aber nicht bereit, die Folgen dieser Meinung zu tragen. Jetzt ruft er das Volk, um es hinterher für die Konsequenzen der Entscheidung verantwortlich zu machen. Die Regierung Tsipras selbst ist nicht bereit, die Verantwortung für ihr Handeln zu tragen. Das ist perfide.

Wie lange sollten die europäischen Partner bei der griechischen Tragödie noch mitspielen?

RöttgenEs geht hier nicht um die griechische Regierung, sondern um Griechenland und Europa. Bei allem Ärger über das Verhalten der Herren Tsipras und Varoufakis muss man immer die Verantwortung für das Land und die Europäische Union im Blick behalten. Auch wenn das Zweite Hilfspaket am 30. Juni ausläuft, sollte man einen Weg finden, das Referendum abzuwarten. Nach fünf Jahren Rettungsprogramm und 89 Milliarden Euro Notfallkrediten der Europäischen Zentralbank für Griechenland kann man das Land am Ende nicht wegen einer Woche Zeit mehr scheitern lassen.

Ist die Athener Regierung noch ein berechenbarer Verhandlungspartner?

RöttgenWenn das Votum des griechischen Volkes da ist, haben wir eine klare Grundlage, möglicherweise gegen die Meinung der Regierung. Jedenfalls deuten die Umfragen darauf hin.