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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Nutzen von Medizin-Apps sehr unterschiedlich

16.04.2013
NWZonline.de NWZonline 2015-07-23T08:41:02Z 280 158

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Nutzen von Medizin-Apps sehr unterschiedlich

Das Thema: Anwendungen für Smartphones

Im Interview: Urs-Vito Albrecht, Arzt

Zur Person: Urs-Vito Albrecht ist am Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik in Hannover tätig.

Frage: Wie viele medizinische Apps gibt es – und was leisten sie?

Albrecht: Für den Endverbraucher eröffnet sich ein unüberschaubares Angebot. Laut dem Branchenverband Bitkom gab es bereits 2011 geschätzt 15 000 Apps im Gesundheitsbereich. Unterscheiden kann man sie in „Medical Apps“, die dem Medizinproduktgesetz unterliegen – zum Beispiel Apps, die mit Hilfe eines Adapters Temperatur, Blutdruck oder Blutzucker messen – und eine Vielzahl von „Health Apps“, die nicht reguliert werden – zum Beispiel Apps für Arzneimittelinformationen oder Lifestyle Apps wie Schrittzähler oder Fitnessprogramme.

Frage: Welche Angebote halten Sie für sinnvoll?

Albrecht: Nutzen und Vertrauenswürdigkeit dieser Softwarehäppchen variieren stark. Ein geringes Schadenspotenzial haben Apps, die medizinische Inhalte erklären. Patiententagebücher, die bei der Dokumentation der Erkrankung und des Therapieverlaufs helfen oder an die Einnahme von Medikamenten erinnern, können ebenfalls sinnvoll sein. Ähnlich sind Apps zu bewerten, die zu gesundheitsbewusstem Verhalten anregen, etwa Trainingspläne für körperliche Übungen.

Frage: Wovon würden Sie abraten?

Albrecht: Ich würde nicht grundsätzlich von Apps abraten. Warnen will ich aber davor, sich auf medizinische Ergebnisse wie Diagnosen oder Therapieempfehlungen zu verlassen, wenn sie selbstständig von Apps erzeugt werden. Es gibt einfach zu viele Fehlerquellen: Der Hörtest mit dem Smartphone ist von der Qualität der Kopfhörer abhängig. Auf einen Alkoholtest, für den ein Adapter aufs Telefon gesteckt wird, würde ich mich nicht verlassen: Die Polizei hat bessere Geräte.

Frage: Wie erkenne ich eine vertrauenswürdige App?

Albrecht: Prüfsiegel, Transparenz und klarer Menschenverstand helfen bei der Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit von Apps. Staatliche Prüfsiegel wie das CE-Kennzeichen stehen dafür, dass eine App als Medizinprodukt eingestuft wird und den gesetzlichen Vorgaben genügt. Eine große Zahl der Apps, die für den Fitness-Bereich angeboten werden, unterliegt nicht dem Medizinproduktegesetz. Hier können eine informative Selbstauskunft und Prüfsiegel, wie sie durch Initiativen oder Firmen vergeben werden, eine Orientierung geben.