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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Noch jahrelang niedrige Zinsen

22.02.2019
Frage: Herr Fiand, Ihre Zeit als Vorstandsvorsitzender fiel in eine schier endlose Niedrigzinsära, was auch viele Sparkassenkunden getroffen hat. Viele Menschen sind am Grübeln, was sie mit ihren Ersparnissen besser machen können, als es auf dem Sparbuch oder Girokonto von der Inflation entwerten zu lassen. Was ist Ihr guter Rat zum Abschied?
Fiand: Ich habe ja in vielen Gesprächen fast gebetsmühlenartig dazu geraten, sich mit Investmentfonds zu beschäftigen, insbesondere auch mit regelmäßigen Einzahlungen mittels Sparplänen und über einen längeren Zeitraum hinweg. Oder man steigt sukzessive und kontinuierlich direkt in Aktien ein, um sich am Produktivvermögen der Wirtschaft zu beteiligen.
Frage: Sie haben gern und oft den Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, kritisiert. Inwiefern hat die EZB mit ihrer Niedrigstzinspolitik denn nicht nur die Sparer, sondern auch Institute wie die LzO getroffen?
Fiand: Die extrem niedrigen Zinsen waren in der Finanzkrise um 2008 genau richtig. Nur hat es die EZB dann eben verpasst, die Zinsen sukzessive wieder anzuheben. Das kann in einem erneuten Abschwung sehr ungünstig sein. Vor allem aber werden viele Banken – auch Sparkassen – in Bedrängnis gebracht, bei denen die Zinserträge die Haupteinnahmequelle sind. Die Erträge bröckeln.
Frage: ... und die EZB berechnet für Geld, das Sie über Nacht bei Ihr parken, sogar noch Strafzinsen. Über welche Größenordnung sprechen wir?
Fiand: Allein die LzO hat 2018 etwa 1,3 Millionen Euro gezahlt. Die EZB will ja eigentlich starke Banken. Aber dieses Instrument schwächt sie.

Seit 2014 an Spitze

Der Volkswirt Gerhard Fiand (64) kam nach Stationen bei der Dresdner Bank, der Landesbank Rheinland-Pfalz und drei Sparkassen 2005 zur Landessparkasse zu Oldenburg (LzO), als Vorstandsmitglied für Marktfolge und Ressourcen. Seit 1. November 2014 ist der gebürtige Mannheimer LzO-Vorstandsvorsitzender.

Frage: Kommen bald bessere Zeiten für Sparer und Banken?
Fiand: Ich fürchte, vorerst nicht. Die Phase extremer Niedrigzinsen wird uns noch Jahre begleiten. Draghi wird in die EZB-Geschichte wohl als Präsident eingehen, der die Leitzinsen nicht ein einziges Mal erhöht hat.
Frage: Geht es nach Zentralbanken, dann soll es vielleicht irgendwann kein Bargeld mehr geben. Ihre Meinung?
Fiand: Jeder sollte frei und selbstbestimmt darüber entscheiden können, ob er seine Anschaffungen bargeldlos oder bar bezahlt. Ich persönlich allerdings zahle immer häufiger mit Kredit- und anderen Karten. Das geht mir oft schneller.
Frage: Mal zu Ihrem Geschäftsgebiet, dem Oldenburger Land. Sie haben eine sehr lange Phase des Wachstums mitgestaltet. Das ist das Erfolgsrezept der Region?
Fiand: Ja, es ist wirklich ein Glück, in so einer boomenden Region arbeiten zu dürfen! Motoren sind sicherlich der starke hiesige Mittelstand, dann die Universitäten, die als Magnet für Talente wirken, aber auch das Bevölkerungswachstum der Stadt Oldenburg und in Teilen des Umlandes. Und dann gibt es noch die politischen Entscheidungsträger, die zum Wohle der Region und der Menschen agieren.
Frage: Mit den Zahlen der LzO ging es stetig aufwärts. Da sind andere im Sparkassen-Lager sicher neidisch, oder?
Fiand: Ich warne vor Euphorie. Tatsächlich ist es so, dass deutsche Kreditinstitute, auch Sparkassen, Marktanteile an Direktbanken verlieren. Wir halten unsere Anteile dagegen. Und da fragen andere schon mal nach: Wie macht Ihr das?
Frage: Und zwar wie?
Fiand: Letztlich muss man gut darauf achten, was die Kunden wollen, man muss sich parallel dazu entwickeln. Deshalb gibt es aktuell auch besonders viele Innovationen. Dazu zählen Apps für das Smartphone, blitzschnelles Bezahlen und Überweisen, Transparenz bei Produkten oder auch die Filiale der Zukunft, die auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten einen Ansprechpartner anbietet, per Monitor. Eine Studie ergab: Heute kommen Kunden durchschnittlich nur noch einmal im Jahr in die Filiale, aber rund 200 Mal nehmen sie Kontakt zu uns über die Internet-Filiale oder über mobile Endgeräte auf.
Frage: Und die Mitarbeiter?
Fiand: Die muss man mitnehmen zu immer neuen Technologien. Das ist eine Daueraufgabe.
Frage: Zum Schluss noch etwas Unerfreuliches. Die LzO muss sich an der Stützung der Landesbank NordLB beteiligen, wohl mit 27 Millionen Euro. Hätten Sie nicht einfach „Nein“ sagen können?
Fiand: Wir haben mit der jetzt auf den Weg gebrachten Lösung zur Kapitalstärkung der NordLB die schnelle Handlungsfähigkeit und Geschlossenheit der Sparkassen-Finanzgruppe unter Beweis stellen können. Aus unserer Sicht handelt es sich um die bestmögliche Lösung.
Frage: Brauchen die Sparkassen überhaupt noch mehrere Landesbanken?
Fiand: Sparkassen sind auf eine optimale Unterstützung durch die Landesbanken im operativen Geschäft angewiesen und müssen auf deren große Leistungsfähigkeit vertrauen. Nach meiner Überzeugung wäre allein schon unter Wettbewerbsaspekten eine Größenordnung unter den Landesbanken herzustellen, die eine Bündelung sämtlicher Kräfte in einer Sparkassenzentralbank vorsieht. Deren Geschäftsmodell muss sich an den Bedürfnissen der Sparkassen ausrichten.
Frage: Ende Februar gehen Sie in den Ruhestand, Herr Fiand. Was haben Sie dann vor?
Fiand: Ich bin in der Lage, loslassen zu können. Daher werde ich sämtliche Ämter abgeben. Meine Frau und ich bleiben in Oldenburg, werden aber sicherlich die freien Zeiten genießen und beispielsweise die Welt bereisen. Und ich möchte mehr Golf spielen.
Rüdiger zu Klampen Redaktionsleitung / Wirtschaftsredaktion
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